Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 1 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Salomon Munk. 13 neuen Aufschwung. Den christlichen Bearbeitern, welche Gelehrsamkeit und Scharfsinn auf deren Entzifferung und Deutung derwendeten, fehlte es nicht selten an dem sichern semitischen Sprachgefühle, um das richtige Wortgefüge und den zu erwartenden Sinn zu ahnen; Munk hingegen brachte mit der vollen gelehrten Ausrüstung auch den jüdischen Sprachtact mit, uud wie er 1848 die in Marseille aufgefundene phönicische Opfertafel erläuterte, so lieferte der Erblindete noch 1856 eine vortreffliche Deutung derJnschrift auf dem Sarge des s id o nis ch en König es Eschmun-Ezer. Es ehrt den französischen Geist, daß er diesen Heldenmuth, welcher körperliche Gebrechen zu überwinden wußte, zu würdigen verstand. Munk ward die hohe Auszeichnung, im I. 1860 zum Mitgliede der Akademie erwählt zu werden. Dem Bedenken der Minorität, welche, einen Mitbewerber begünstigend, hervorhob, daß eine solche Wahl nicht erworbene Verdienste belohnen, sondern den Muth für neue Leistungen erhöhen solle, trat die Majorität mit der ehrenden Anerkennung entgegen, daß einem Manne wie Munk auch das körperliche Gebrechen die Befähigung zu neuen Leistungen Wohl vermindern, aber nicht rauben könne. Die Zahl der Stimmen wurde noch durch das Gewicht der Namen verstärkt. Gerade die anerkanmesten und verdienstvollsten Mitglieder der Akademie verwendeten ihren ganzen Einfluß für Munk. Guizot eilte von seinem Landsitze herbei, um selbst seine Stimme abzugeben und sie zu Gunsten Munk's in die Wagschale zu legen. Diese Frucht der Revolution von 1789, die Unabhängigkeit der Anerkennung persönlichen Verdienstes von confessioneller Stellung, bleibt Frankreich in allen seinen Verfassungs-Irrfahrten bewahrt, so daß auch Guizot, bei dem sich der conservative Doctrinär mit dem schroffen Hugenotten verbindet, für den Juden einzutreten kein Bedenken trug. Die Arbeiten, welche Munk seit dieser Zeit vollendete, seine ernste Betheiligung an allen in sein Gebiet einschlagenden Ver- Handlungen der Akademie bewiesen, wie richtig die Schätzungseiner ungebrochenen Kraft war. Und so wurde ihm, dem im Alter schon vorgerückten, erblindeten Manne im I. 1865 noch ein neues Amt, der Lehrstuhl des Hebräischen und Aramäischen am 6 011 ege de France übertragen — ein Ereigniß, an sich schon bedeutend, noch bedeutender durch die begleitenden Umstände. Der