Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 1 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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12 I. Salomon Munk. monides, die unvollendet blieb. Diese schwere Prüfung, welche über Munk hereinbrach, entzog ihn allerdings seiner amtlichen Stellung als Custos der orientalischen Handschriften, in welcher ihm Renan folgte und hat uns um weitere reiche belehrende Mittheilungen gebracht, welche nur ein so feiner Kennerblick aus noch nicht ausgebeuteten Quellen zu entnehmen weiß. Einen minder energischen Geist hätte ein solch schweres Geschick gänzlich gebrochen; Munk jedoch trug dasselbe als Weiser und bekämpfte es als Held. Verhindert weitere Einzelforschungen zu machen und dieselben wie bisher in musterhaften kleinen Abhandlungen zu verwerthen, verwandte er seine ganze Kraft auf die größeren Werke, die weit genug vorbereitet waren, um sie mit Hülfe fremder Augen und Hände vollständig herzustellen. Der hohe geistige und sittliche Muth, der in einem solchen Vorhaben hervortrat, erhöhte die Theilnähme der Freunde für den schwergeprüften Mann; man erkannte es nun als hohe Pflicht, auch seinerseits diesen Muth aufrecht zu erhalten und der Wissenschaft Werke zu retten, welche ohne fördernde Unterstützung untergehn mußten. Das Haus Rothschild in Paris spendete die Kosten für die Herausgabe des Guide des egares, eines monumentalen Werkes, welches uns eine für das Judenthum so Lief eingreifende literarische Erscheinung nach dem Originale des Verfassers herstellt und deren philosophisches und historisches Verständniß unserer Zeit näher bringt. Herr Gustav von Eichthal förderte in Verbindung mit einigen Freunden die Vollendung der Melanges de Philosophie Juive et Arabe, in Welchen außer dem Wiederabdrucke früher erschienener kleiner Ab- Handlungen über jüdische und arabische Philosophen der Text des Gabirol-Avicebron'schen ״Lebensquells" mit Uebersetzung, Anmerkungen und historischer Abhandlung dargeboten wurde. So wurden zwei große Denkmale Munk'scher geistiger Arbeit gerettet, die dauernd seinen Namen erhalten werden. Sie waren ausreichend, um die unter solchen erschwerenden Umständen übrigbleibende Arbeitsfähigkeit vollständig in Anspruch zu nehmen. Doch Munk begnügte sich damit nicht. Konnte er auch nicht mehr wie ehedem selbst in unausgebeutete Schachte fahren, um neue Fundgruben der Wissenschaft zu eröffnen, so hielt er sich jedoch nicht blos empfangend auf der Höhe der Zeit, sondern betheiligte sich auch thätig mit an neuen Forschungen. Die Entdeckung alter Denkmale mit Inschriften gab den pHönizischen Studien einen