Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 1 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2420973-2420997-2420998--1296-2422379- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
I. Salomon Munk. 9 als die Schuld auf ihrer Regierung lastete. Adolph Cremieux entschloß sich, die Reise nach Aegypten, unter dessen unmittelbarer Herrschaft damals Syrien stand und mit dessen Beherrscher Frankreich immer intime Beziehungen unterhielt, zu unternehmen und dort eine Revision des parteiisch veranstalteten Processes, eine Aufdeckung der dabei vorgefallenen Schändlichkeiten und Intriguen zu bewirken. Um auch für die Zukunft solcher und ähnlicher Miß- Handlung der dortigen gedrückten Glaubensgenossen vorzubeugen, erwachte zugleich der Gedanke, diese selbst aus ihrer Erniedrigung zu erheben durch Gründung von Schulen, durch Förderung der Bildung. Zur Erreichung seiner Zwecke bedurfte der thatkräftige Cr6mieux des wissenschaftlichen Begleiters, eines jüdischen Gelehrten, der durch Kunde der arabischen Sprache und des arabischen Geistes sich dem ägyptischen Hose verständlich machen konnte, und der andererseits auch widerum durch tiefgelehrte Kenntniß des Judenthums den dortigen Juden die für sie beabsichtigten Maßregeln zu empfehlen wußte. Der Mann war gefunden, bevor er gesucht werden mußte: Salomon Munk war da, der zu seiner wissenschaftlichen Befähigung den warmen Eifer mitbrachte, welchen die Mission verlangte. So reiste Munk mit nach Aegypten. Blieb er auch hier wie sonst, nach seiner geräuschlosen Art, im Hintergründe, so hat er dennoch an allen humanen Resultaten, welche dieses Unternehmen hatte, seinen vollen Antheil; die Stärkung des jüdischen Selbstbewußtseins, die Theilnahme für die Veredlung durch den Druck verkümmerter Glaubensgenossen, welche als wesentliche Ergebnisse dieser Mission gelten können, durfte sich Munk in gleich hohem Grade zuschreiben wie alle übrigen Theilnehmer. Ein Verdienst, und zwar ein nicht minder dauerndes, bleibt ihm allein, die Wissenschaftliche Ausbeute, die er von dort mitbrachte. Munk fand dort bald eine Anzahl jüdisch-arabischer, namentlich karäischer Manuscripte, die für den wahren Kenner ein neues Licht auf die Entwickelungsgeschichte der hebräischen Sprachwissenschaft zu werfen geeignet waren. Er gab bald, schon 1841, über diese gefundenen unbekannten Werke Nachricht in Jost's Annalen, benutzte dieselben, wie bereits oben bemerkt", mehrfach in Beleuchtung dunkler Partieen der Geschichte der jüdischen Philosophie und Exegese. Besonders ausgiebige Kunde gab er in der 1851, im Journal asiatique wie auch in einem Sonderabdrucke, erschienenen vortrefflichen Abhand-