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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1867-01-01 · 1 (1867) · p. Seite 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
5 (1867)
Issue
1 (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 7 (sequence 8)
Language
German
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I. Salomon Munk. 7 sonders aus neu aufgefundenen karäischen Quellen, und in der ״Philosophie bei den Juden" wird die Richtung, welche Saadias in der Bibelübersetzung wie in seinem philosophischen Werke ״Emunoth we- Deoth" eingeschlagen, weiter erörtert. Die neuen Gesichtspunkte, welche Munk hiermit für die Geschichte der Bibelexegese wie für die des Karäismus eröffnet hat, haben später bei erweitertem Material und ausgebreiteter Forschung zu fruchtbaren Resultaten geführt, deren weittragende Aufklärungen noch nicht erschöpft sind. Die Auffindung neuer kar Lisch er Literat ursch ätze steht wiederum mit einem welthistorischen Ereignisse im Zusammenhange, das, eine Folge engherzigster politischer Maximen, in das Leben Munks und. was bei ihm immer gleichbedeutend ist, in die Entwickelung der Wissenschaft eingreift. Die Festhaltung feudalchristlicher Grundsätze hatte Munk früher aus Deutschland verdrängt, diesem eine Schmach, aber der Wissenschaft ein großer Gewinn, indem Munk dadurch den Schätzen der Pariser und Oxforder Bibliotheken näher geführt worden war. Er war in Paris Custos der orientalischen Handschriften geworden und legte als solcher den Grund zu einem Cataloge derselben. Da trat am Anfänge der vierziger Jahre ein Ereigniß ein, das auch die Schattenseiten der französischen Politik bloslegen sollte. Ein katholischer Priester nämlich, Pater Thomas, wurde in Damaskus vermißt, der unwissende katholische Pöbel wälzte den Verdacht auf die Juden, daß sie ihn ermordet, weil sie Christenblut für ihr Osterfest gebrauchten, und der französische Consul in Damaskus, Ratti-Menton, in seinem Eifer noch durch den liberalen Minister Thiers ermuntert, unterstützte das fanatische Treiben des Pöbels. Die dortigen Juden schwebten in der größten Gefahr, und der Verdacht, von solchen sonst aufgeklärten und wohlwollenden Männern genährt, ward auch in weitern Kreisen zur neuen Aufstachelung eines veralteten Hasses benutzt. In Wohlmeinenden und dennoch Leichtgläubigen erweckte er Grauen. Wie wäre es möglich, so sprachen sie — und wie war es möglich, so fragen wir —, daß die humane Regierung des Bürgerkönigthums, welche die längstwurzelnde Gleichstellung der Juden zur thatsächlichsten Wahrheit machte, daß ein hellsehender und freisinniger Minister diesem Wahne Nahrung zu geben sich nicht entbiödete, wenn nicht zwingende Beweise Vorlagen? Die Antwort ist folgende: Der unselige Glaube, ״die Staatsraison" sei das höchste Recht, wandle selbst Unrecht und Unbillig-

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