Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 1 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2420973-2420997-2420998--1291-2422374- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4 I. Salornon Munk. gerichteten Schranken der Verdumpfung vergeblich rüttelte; sie sind unterdessen gewaltsam unterwühlt, theilweise zertrümmert worden, und dennoch werfen die Staatslenker diese Trümmer noch immer als ein Hemmniß in den Weg. Es hat den Anschein, als sollte für das Volk der Denker, für den Staat der Intelligenz nicht die vernünftige Einsicht, nicht der sittliche Rechtssinn, sondern lediglich die Gewalt der Thatsachen entscheidend sein. Munk hatte einen hochherzigen Gönner in Michael Beer, dem edlen Dichter des Paria, gesunden. So ward es ihm möglich, einige Zeit ganz seinen Studien zu leben und nicht blos die Schätze der Pariser Bibliothek zu benützen, sondern auch Oxford zu besuchen und mit den damals noch so wenig gekannten und Wenigen verstündlichen dortigen reichen Vorräthen der jüdisch-arabischen Literatur sich vertraut zu machen. Der Anbau dieses hochwichtigen Literaturzweiges war von nun an seine Lebensaufgabe, und es ist ihm gelungen, die Pläne, die er von damals an gefaßt, im Wesentlichen auszuführen. Schon frühzeitig*) war sein Augenmerk aus das arabische Original des ״Führers der Verirrten" und auf dessen genügende philosophische und geschichtliche Erläuterung gerichtet, und es ist ihm die Befriedigung geworden, das Werk (1856—66) zu vollenden, und es als ein dauerndes Vermächtniß der Wissenschaft zu hinterlassen. Er hatte noch ״Prolegomena" zu dem Werke versprochen; ob dieselben etwa handschriftlich ausgearbeitet sind und uns noch zu Theil werden, ist mir nicht bekannt. Einen Lheilweisen Ersatz dafür bieten uns einzelne Abhandlungen, die im Journal Asiatique erschienen und auch in besonderen Abdrücken verbreitet sind, so namentlich die schöne Arbeit über Joseph ben Jehudah, den Schüler des Maimonides (1842) und ferner über die arabische medicinische Schrift des Maimonides, die uns nur in einer abgekürzten hebräischen Uebersetzung: Pirke Moscheh vorliegt, welche, wie Munk in einem in den Aremv68 Israelites 1851 begonnenen, aber durch seine damals erfolgte völlige Erblindung nicht vollendeten Aufsatze nachwies, sehr wichtige literarhistorische Bestandtheile enthält. Während die Bearbeitung des Moreh ihn sein ganzes Leben *) Vgl. meine wissenschaftliche Zeitschrift für jüd. Theologie Bd. I. S. 130 ff., Mittheilnng vom März 1835.