Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 4 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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314 Aus Briefen. Bei der Menge der Bibelhandschristen, die hier, in Oxford und * Paris vorhanden sind, habe ich bemerkt, daß die älteren aus Deutschland herstammenden größtentheils sehr incorreet in der Vocalisation sind, was bei den spanischen nicht der Fall ist. In den alten Mspten. ist ג kaum von כ zu unterscheiden, wohl aber in den jüngern. In den alten Handschriften ist ferner das Pergament auf der einen Seite (der Haarseite) rauh und gelb, die andere dagegen weiß und glatt; so findet es sich, soweit ich bemerkt habe, bei Handschriften aus dem 12. und 13. Jahrh. ohne Ausnahme, während die des 14. bereits sehr häufig, die des 15. fast immer auf beiden Seiten gleich sorgfältig bearbeitet sind. Griechische Handschriften habe ich hingegen sehr alte gesehen, die auf beiden Seiten gleich bearbeitet waren. — Viele Mspte enthalten neben dem Pentateuch die fünf Rollen, Haftaren, worauf Hiob folgt und Jeremia, jedoch blos bis 23, 6, dann manchmal noch Jerem. 31, 2—20 und zuletzt Jes. 34, 1—35, 10. Letztere Stelle ist offenbar deßhalb hinzugefügt, um das Buch mit ״Trostesworten" zu beschließen. Aber warum gerade die Bücher Hiob und Jerem., und warum blos bis 23, 6? jDies hat seinen Grund in der Anordnung der Baraitha Tha'an. 30 a, wonach bei Trauerfällen u. am 9. Ab die Beschäftigung mit der in frohe Stimmung versetzenden Bibel untersagt und nur die ernststimmende Lectüre der Klagelieder, des Hiob und der Strafe androhenden Stellen des Jerem. gestattet ist: וקורא בקינות באיוב ובדברים דרעים עובירבליד! ©.] — Auf einem leeren Blatte einer Bibelhandschrift (Add. N. 14763 fol. 4 a—5a) fand ich ein chronologisches Verzeichniß. Dasselbe beginnt mit Nebukadnezar; darauf folgen die griechischen Könige und die Diadochen mit Angabe der Regierungsdauer eines jeden, dann alle römischen und byzantinischen Kaiser in gleicher Weise. Abgefaßt wurde das Verzeichniß im 4. Regierungsjahre des Kaisers Nikephor (Phorkas), der die Kinder des Romanus II vom Throne gestoßen, d. h. 967 n. Chr. Es gab also gegen die Mitte des 10. Jahrh. Juden, denen es weder an historischem Sinn noch an historischen Kenntnissen gefehlt, und der Vfr. des Josippon steht nicht vereinzelt da. — Nebenbei will ich bemerken, daß der ebengenannte Josippon von Neuem einer kritischen Untersuchung unterzogen zu werden verdient und zwar mit Hinzuziehung der arabischen Recenfion oder Uebersetzung des Werkes, von der es hier und in Oxford Exemplare giebt. — Im brit. Mus. giebt es zwei Handschriften des Moreh, deren