Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 4 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 312 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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312 Umschau. Schmerz verklärt, das muthige Vertrauen, daß das leuchtende Ziel dennoch klarer hervortreten, das Streben danach bewußter in die Seelen einziehen wird, befestigt und gehoben. — Ja, ein solch milder Freund thut Wohl in schwerer Zeit; die Fanatiker, welche mit Hohn, Verdächtigung und Beschimpfungen einherschreiten, bringen uns die neue Zeit nicht. Ob diese Betrachtungen in den Bereich einer Zeitschrift gehören, welche sich eine ״jüdische" nennt? Nun, etwas specifisch Jüdisches haben sie allerdings nicht und sollen sie nicht haben; allein das Allgemeinmenschliche darf und kann aus keinem Kreise ausgeschlossen werden, und der Jude fühlt sich ganz besonders angeregt, wo das warme Herz mitspricht und seine ewigen Rechte gegenüber der schneidigen Theorie geltend macht. Wir haben auch ein Anrecht an Berthold Auerbach, ohne ihm damit seine volle Angehörigkeit an das deutsche Volk und seine große Bedeutung für dessen Gesammtentwickelung verkümmern zu wollen. Und zwar nicht etwa blos deßhalb, weil er als Jude geboren ist. dem jüdischen Verbände treu bleibt, an seiner bürgerlichen und geistigen Entwickelung Antheil nimmt, sondern weil er in seinem wahren Berufe, in seiner schriftstellerischen Thätigkeit, weit entfernt, den Juden zu verleugnen, ihn mit einer gewissen Verschämtheit fernzuhalten, vielmehr die Gelegenheit gern ergreift, ihn, wo er hingehört, mit als ein vollberechtigtes Glied des Ganzen herbeizuziehen. So fehlt es auch in dem Volkskalender nicht an einzelnen Beziehungen, die an dieser Stelle um so mehr ihres Eindruckes sicher sein dürfen, weil sie ganz gelegentlich erscheinen. So in einem raschen Gespäche Zwischen zwei Schiffern in Mitten der besprochenen Geschichte. Der eine erzählt dem andern: Drei Mann aus unserem Orte sind gefallen, zwei Christen und ein Jud', worauf dieser entgegnet: Was sagst Du da, sie kommen Alle in Eine Grube, im Tode sind alle Menschen gleich, sie sollten's auch im Leben sein. Der Erzähler reicht ihm die Hand und wir mit ihm. Eines unter den ״neuen Stücklein vom alten Gevattersmann" ist ausschließlich einer Gesinnungslostgkeit in gebildet sein wollenden jüdischen Kreisen gewidmet und fertigt sie derb ab. Ein vornehmthuerischer Kaufmann jüdischen Glaubens berichtet einem Glaubensgenossen, daß er seine beiden Töchter den christlichen Religionsunterricht in der Schule mit besuchen läßt, in der letzten Stunde sei nun der Geistliche so über die Juden losgefahren, daß die Kinder ganz verzweifelt heimgekommen. Der