Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 4 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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304 Recensionen. erheben." Also Bergwerke, Zölle und Juden auf ganz derselben Linie; die Juden erscheinen wie Bergwerke, aus denen sich nicht durch Arbeit, sondern durch Druck edle Metalle gewinnen lassen." Bei Gelegenheit der willkürlichen Befugniß, welche sich Kaiser und Landesherren beilegten, die bei den Juden contrahirten Schulden der Christen entweder ganz aufzuheben oder zu reduciren, dann aber für sich einen Antheil davon in Anspruch zu nehmen und dgl., eignet er sich den ״treffenden Vergleich" Gemeiners an: ״So wie man eine Sparbüchse leert, wenn sie voll geworden ist, so beraubte man die Juden ihres Gutes, wenn es sich der Mühe zu verlohnen schien" (S. 139 f.). Ebenso erkennt er die Schlächtereien nach ihrem wahren Motive. ״Das einfachste Mittel, um sich von den lästigen Gläubigern zu befreien, war, sie todtzuschlagen; bei vielen Juden- Verfolgungen werden wir die Verschuldung des Volkes als wesentlichstes Motiv annehmen dürfen." (S. 131). Auch in jener gräßlichen Zeit, 1349, wo die Pest, der schwarze Tod, das Volk zur Raserei brachte und es in seiner Verzweiflung die Juden als Anstifter anklagte und erwürgte, verkennt der Vrf. nicht, daß sich auch eigennützige Absichten in das Gewand erkünstelter Leidenschaftlichkeit hüllten. ״Von seinen Gläubigern wollte man befreit sein, nach den Schätzen der Juden war man lüstern; ein zeitgenössischer Chronist, welcher von diesen Vorgängen berichtet, fügt ehrlich hinzu: Daz was ouch die vergift, die die Juden tote" (S. 189). So leitet er denn das Capitel über die Judenverfolgungen mit den Worten ein (S. 181 f.): ״Es wäre eine schauerliche und Undankbare Aufgabe, durch den Verlauf von Jahrhunderten die Zeugnisse zu sammeln für die Unduldsamkeit, Barbarei, Gewinnsucht und den Aberglauben der Herrscher und des Volks und die beispiellose Widerstandskraft, Zähigkeit und den Opfermuth der Juden, welche mit derselben Energie, mit welcher sie einst den Römern getrotzt hatten, jetzt die Verfolgungen ertrugen und noch Lebenskraft behielten. Es bietet kein eigentliches Interesse dar, zu verfolgen, wie überall, in allen Gegenden Deutschlands und der gesummten christlichen Welt immer dieselben Greuel von den Landesherren, der Geistlichkeit und dem Pöbel begangen werden, wie immer dieselben Vorwürfe, welche ebenso wie die Anschuldigungen, denen in den Hexenprocessen Tausende zum Opfer fielen, das beklagenswerthe Erzeugniß unglaublicher Dummheit und abgefeimter Bosheit sind, gesucht und gefunden werden, um das unglückliche Volk zu peinigen und zu martern