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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 4 (1866) · p. Seite 301

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
4 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 301 (sequence 5)
Language
German
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Recensionen- 301 Kecensionen. Die Juden in Deutschland während des Mittelalters in politischer, socialer und rechtlicher Beziehung von Otto Stobbe. Braunschweig 1866. X und 312 S. 8. Die Geschichte des Mittelalters, zumal in Deutschland, ist ein großer garstiger Fleck in der Entwickelung der Menschheit; die widerwärtigste Partie darin bildet die Stellung der Juden, sie ist der tiefe schwarze Schatten innerhalb dieses Fleckes. Dem Mittelalter, vorzugsweise dem deutschen,׳ war der Begriff des Staates, als eines eng alle Glieder umschließenden Gemeinwesens, völlig abhanden gekommen; die verhärtetste eigennützige Engherzigkeit, ein brutaler Kastengeist beherrschte alle Zustände, das Gemeinsame fand in der Chimäre einer herrschenden Kirche seinen Ausdruck, die dadurch immer herrschsüchtiger und ausschließlicher wurde. In Deutschland gesellte sich dazu die Chimäre eines römischen Kaiserthums. Nicht Herr im eignen Lande, gab sich der deutsche Wahlkönig dem Wahne hin, es sei auf ihn das Erbe der römischen Weltherrschaft übergegangen; während er machtlose Ansprüche auf die Herrscherberechtigung in Italien und selbst in entlegenen Ländern machte, dafür verheerende Kriege führte und seine besten Kräfte vergeudete und erschöpfte, zerfiel die innere Einheit im deutschen Reiche mehr und mehr und machten sich dessen Glieder zu selbstständigen Souveränitäten, die in sich machtlos nur die Machtenfaltung des Ganzen verhinderten. Es ist dem Herrn Vrf., der als Forscher im Gebiete der deutschen Rechtsgeschichte rühmlich anerkannt ist, , als besonderes Verdienst anzurechnen, daß er diese Zustände mit unbefangenem Auge betrachtet und in diesem Sinne sich ausspricht; die ernste Beschästigung mit der Entwirrung des uns reich übergebenen Details aus dieser Zeit flößt gar Vielen, die ihren wissenschaftlichen Beruf in dieser Aufgabe finden, eine unzeitige Vorliebe für diese haltlosen Zustände ein, so daß sie dieselben gerne in romantischer Verklärung vorführen möchten. Hr. Prof. Stobbe greift, sich enge an seinen Gegenstand haltend und diesen ganz objeetiv behandelnd, zwar nicht zu solchen allgemeinen Betrachtungen aus, dennoch verfehlt er nicht zur Erklärung der von ihm speciell behandelten Zustände auf diesen

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