Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 3 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 272 (sequence 112)
- Language
- German
- Belongs to
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272 Umschau. übereinstimmendsten Berichten und bei den unscheinbarsten Gegenständen doch die verschiedenen Färbungen, welche sie der Erzählung, oft unwillkürlich, nach ihren verschiedenen Standpunkten geben, bemerken. Das giebt uns dann eine deutliche Anleitung, wie wir die Berichte über eingreifendere Gegenstände aufzufassen haben, auch da wo wir sie nicht controliren können. Josephus spricht von diesem letzten, durch die ihm verhaßten Zeloten vermittelst des Looses gewählten Hohepriester Pinchas aufs Verächtlichste; durch seine Unwissenheit habe er das ,Amt entwürdigt, was auch die andern Priester mit Entrüstung aufnahmen. Die radicalen Democraten, die Gleichheitsmänner, wollten allerdings nicht aus den vornehmen Priestergeschlechtern, aus denen bisher die Hohenpriester regelmäßig gewählt wurden, sondern aus einer unbekannten Tribus einen Mann mit dieser Würde bekleiden, sie bestimmten ihn durch das Loos, wie darin mit Josephus auch Sisra und Thoßeftha übereinstimmen. Daß Dies nicht im Sinne der andern Parteien war, daß sie auf ihn, als das Loos einen gewöhnlichen Arbeiter traf, gerade nicht mit besonderer Achtung sehen mochten, ist sicher; allein Widergesetzliches war darin nicht, auch Andere, welche früher zu dieser Würde erhoben worden, zeichneten sich nicht gerade durch Gelehrsamkeit aus, und an Anleitung zu einer regelrechten Ausübung seiner Functionen fehlte es ihm nicht. Wirklich faßt die Sache auch Sisra und Thoßeftha ganz anders auf. Sie erzählen die Begebenheit ohne jeden Tadel, obgleich sie den Mann noch dazu als einen Steinhauer seines Handwerks bezeichnen; im Gegentheil führen sie sie als Beleg für die Vorschrift an, den zum Hohenpriester Ernannten auch reichlich mit Mitteln auszustatten, und das hätten wirklich seine Stammesgenossen dem Pinchas gethan, mithin seien diese ihm freundlich entgegengekommen. Auch das genügt noch dem Chananiah d. Gamaliel nicht; er bestreitet es, daß Pinchas Steinhauer gewesen, er sei ein mit seiner Familie Verschwägerter gewesen und * man habe ihn vielmehr beim Acker — auch Josephus sagt: rfjg xdgag — gefunden, gerade wie auch Elisa vom Acker zum Prophetenthume übergegangen (1 Kön. 19, 19). Man sieht, daß Pinchas durch seine Erhebung bald in die Verwandtschaft mit patricischen Familien gelangte und diese sehr darauf bedacht waren, jeden Makel von ihm fernzuhallen. Nun war derselbe kurz vor der Zerstörung zu seiner Würde gelangt, mit diesem Ereignisse war der Glanz des Hohenpriesterthums geschwunden, und dennoch hob ihn