Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 3 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 109)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau. 269 Erzählung als Bericht des Knechtes an die Verwandten Rebekkas wiederholen zu müssen glaubt (V. 34 — 48, vgl. diese Ztschr. Bd. I S. 133), den Umstand bedenklich, daß der Knecht seiner Sache bereits so sicher gewesen, bevor er noch die Jungfrau nach ihrer Familie gefragt, und ihr daher nun schon werthvolle Geschenke gegeben; er ändert dies deshalb ab und läßt die Geschenke erst nach dem erhaltenen befriedigenden Aufschlüsse über die Familienverhältnisse verabreichen. Darin folgen ihm fast sämmtliche rabbinische Bibelerklärer, indem sie auch den ursprünglichen Bericht dahin umdeuten. — Die zweite Erzählung ist die von Jonathan, dem Sohne Saul's. Bei einem kühnen Wagnisse, welches er gegen die Uebermacht der feindlichen Philister zu unternehmen im Begriffe steht, will er die Ausführung desselben von folgendem Umstande abhängig machen. Rufen die Philister, sobald sie seiner und seines Waffenträgers ansichtig werden, ihnen zu, sie sollten nur ausharren, bis sie zu ihnen hinüberkommen, so wolle er ihren Angriff abwarten, forderten sie ihn aber auf, zu ihnen hinzukommen, so wolle er dieser Aufforderung getrost Nachkommen, es sei ihm ein Zeichen, daß Gott sie in seine Hand gegeben (1 Sam. 14, 6—10). Unter den gegebenen Verhältnissen stimmt das vollkommen ebenso mit der Besonnenheit wie mit der Kühnheit des hochherzigen Jonathan; er findet in der Lust oder Unlust zum Angriffe von Seiten der Philister einen Beweis ihres vertrauenden Muthes oder ihrer bangen Muthlosigkeit und berechnet demnach die geringere oder größere Sicherheit für den Erfolg seines Unternehmens. In beiden biblischen Erzählungen können wir nun Nichts von abergläubischer Vorahnung oder Zeichendeuterei finden. Das scheint nun auch der Thalmud nicht gerade darin zu finden, aber er trübt die klare Auffassung durch die Bezeichnung, mit welcher er das Verfahren beider Männer belegt, was wiederum zusammenhängt mit dem Einflüsse, welchen er allen solchen angeblich vorherverkündigenden Zeichen beilegt. Er sagt nämlich (Chullin 95 b): Jede Vorahnung (WN2), welche nicht wie die des Elieser, des Knechtes Abraham's oder Jonathan's, des Sohnes Saul's ist, ist keine Vorahnung (אינו ^כחעג)", d. h. offenbar: hat keine Zuverlässigkeit. Daß nun auf derartige Vorzeichen zu achten erlaubt sei, geht aus dem ganzen Zusammenhänge hervor, wie denn noch gar manches Andere dort wie anderswo, welches mehr in das Gebiet des Aber-