Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 3 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 108)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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268 Umschau. in jeder Nummer. Ich greife nur beispielsweise die letzte gerade vorliegende (N. 18 vom 2. Mai) heraus. Außer dem Schluffe einer Anzeige über Dr. Stein's in Prag Abhandlung über thalmudische Methodik, welche u. A. sehr verständige Bemerkungen enthält über den Gebrauch von im Thalmud, als die Kunst den unpunctirten biblischen Text richtig zu lesen, bringt sie einen selbstständigen Aufsatz: Zur thalmudischen Mantik, der sehr gut auf die Unsicherheit, welche bei der schlichten Orthodoxie über diesen Punkt herrscht, und aus das rationalisirende Bemühen der philosophischen Rabbinen hinweist. Der Thalmud faßt im Grunde den Sinn der Bibel in natürlicher Deutung dahin auf, daß der Zauberei eine wirkliche Macht innewohne, daß Vorahnungen, Zeichen, welche Glück oder Unheil vorausverkündigen, nicht ohne Wahrheit sind, daß sie aber als götzendienerischer Mißbrauch untersagt sind. Sobald aber der Glaube an solche Dinge feststeht, werden sie ar^h geübt, der Aberglaube ignorirt das Verbot, er sucht sich kaum mit diesem auseinanderzusetzen, er zieht auch natürliche Berechnungen mit in sein Gebiet und weiß keinen Unterschied zu machen zwischen Vermuthungen, welche sich auf verständige Erwägung stützen, und andern, die eben blos auf willkürlichen Combinationen der Phantasie beruhen. Daher werden auch zwei biblische Erzählungen in diese Discussion hereingezogen, die ihr eigentlich fremd sind. (Elieser,) der Knecht Abraham's, von seinem Herrn beauftragt, für Isaak eine Frau aus Abr.'s Familie zu freien, betet zu Gott, er möge die Probe, welche er zur Ausführung seines delicaten Auftrages mit der Zu erwählenden Jungfrau anstellen will, gelingen lassen; das Mädchen, das ihm und seinen Kameelen bereitwillig Wasser schöpfen werde, wolle er als die auserkorene betrachten. Das Ganze ist aber eine an Gott gerichtete Bitte im kindlichen Vertrauen, daß er ihn um Abrahams und Jsaak's willen diese seine Prüfung gelingen lassen werde; diese selbst aber soll ihm in ganz verständiger Weise bekunden, daß die Jungfrau wohlwollenden Herzens und der edlen Familie würdig sei. Als es nun eintrifft, wie er erbeten, ist der Mann zwar schon in froher Erregung, aber doch seiner Sache noch nicht sicher, giebt dem Mädchen zwar alsbald kostbare Geschenke, fragt aber doch noch nach ihrer Familie, und als er nun auch diese erfahren, spricht er dankend aus, daß Gott ihn den rechten Weg geführt (1 Mos. 24, 1—27). Wir finden in dieser naiv-kindlichen Darstellung gewiß nichts Anstößiges. Dennoch fand der spätere Ergänzer, welcher die