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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 3 (1866) · p. Seite 264

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
3 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 264 (sequence 104)
Language
German
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264 Umschau. solchen hoffnungslosen Aussicht. Schon Einleitend bereitet er un^ auf ein solches Resultat vor durch den Hinweis auf Spaniens Klima, indem ״kein Land in Europa den Tropen so ähnlich ist wie Spanien". In den Tropen aber herrschten ״Naturschauungen, die durch Entflammung der Phantasie den Aberglauben befördern und den Menschen von der Untersuchung so drohender Erscheinungen abschrecken, mit andern Worten, der Schöpfung der Naturwissenschäften in den Weg treten". ״Kein anderer Theil Europa's ist von der Natur so offenbar zum Sitz und Zufluchtsort des Aberglaubens bestimmt". Ein trauriges Geschick! Allein wie kommt es, daß dasselbe Spanien, das durch Natur- Notwendigkeit in den tiefsten Verfall gerathen muß, das selbst durch eine achtzigjährige vortreffliche Verwaltung im Laufe des vorigen Jahrhunderts, durch Einrichtung nützlicher geistweckender Institutionen jeder Art nicht gerettet werden konnte, vielmehr in kurzer Zeit wieder in den tiefen Abgrund geistiger Stumpfheit siel, — wie kommt es, daß dasselbe Spanien trotz seiner Trockenheit und seinen Erdbeben, trotz seiner erschlaffenden Hitze unter den Arabern so sehr blühte? Wissenschaft und Kunst fanden im Mittelalter, während sie in den christlichen Reichen umher fast verbannt waren, gerade dort die reichste Pflege; fröhliche Dichtung und tiefeindringende, kühne Forschung erhoben den Geist, Kraft und Anmuth veredelten, die Gewerbe und alle die Wohlfahrt fördernden Einrich- Lungen erfreuten sich der sorgsamsten Entwickelung. Mohammedaner und Juden zeichneten sich durch Geistesschwung und GeistesklarheiL aus und sie entzündeten selbst manchen Funken unter den christlichen Spaniern. Juda Ha-Levi und Abraham aben Esra lebten unter christlicher Herrschaft und nährten sich von eigner und arabischer Bildung. Woher all' dieser Glanz, die belebende Frische unter jenen Einflüssen und die Verdumpfung unter der Herrschaft der ״Glaubenseinheit", von der uns Spanien noch heute das wenig beneidenswerthe Bild liefert? Vielleicht giebt uns ein Geschichtsphilosoph, der noch etwas unbefangener ist als der unbefangene Hr. Buckle, die Lösung, die auf der Hand liegt, und welche nur die Selbstgefälligkeit einer herrschenden Macht gewaltsam abweist. 18. April.

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