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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 3 (1866) · p. Seite 261

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
3 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 261 (sequence 101)
Language
German
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Joel: Chasdai Crescas. 261 den Platoniker Juda Abarbanel vermittelt. Von ganz besonderer Bedeutung ist, daß von ihm aus Keime in Spinoza's Seele gestreut wurden, die bei diesem zu neuer Saat aufgingen. Den Nachweis darüber hätten wir zwar lieber übersichtlich zum Schlüsse zusammengestellt gesehen; allein auch die Vergleichung bei den einzelnen Punkten ist schon belehrend genug. Nur in Betreff eines, freilich sehr wichtigen Punktes kann ich im spinozistischen Systeme die Vaterschaft Chasdai's nicht mit dem Vrf. finden. Chasdai ist nicht blos nach seinen Aeußerungen, sondern nach seiner ganzen Geistesrichtung, weit davon entfernt, in Gott auch die Ausdehnung als Attribut zu setzen, um daraus die sichtbare Welt als nothwendige Ausgestaltung seiner selbst zu setzen; ihm bleibt Gott rein geistig, und wenn er sich.mit der Frage beschäftigt, wie Gott ein ihm Ungleichartiges schaffen konnte, so umgeht er die Lösung, indem er sagt, die Allgüte hat die gute Welt hervorgebracht, aber er denkt nicht daran, auch die stoffliche Welt als ihm gleichartig zu behaupten. Von der Frage mag Spinoza einen Antrieb erhalten haben; soll Spinoza in seiner Antwort die Originalität abgesprochen werden, so erhebt er sich nicht auf der von CH. gelegten Grundläge, sondern auf der der Kabbalisten, die die Schöpfung als eine von Gott gewirkte Einengung seines eignen Wesens, ״Zimzum", betrachten. Ueberhaupt glaube ich nicht, daß der Einfluß der Kabbalah auf Spinoza so gering angeschlagen werden dürfe, wie der Hr. Vrf. es thut; was Spinoza, und sei es auch nur vorübergehend, bestreitet, das wurzelte tief in seinem Geiste und hat seine eigenthümliche Umbildung in ihm gefunden. Diese stillen Denker in ihrer einsamen Größe zu belauschen, ist ein sehr verdienstliches Werk; der Nachweis, wie die Juden, auch zur Zeit da sie bürgerlich mißhandelt und geistig verspottet wurden, doch die reiche Geistesaussaat pflegten und die Keime für spätere fruchtbarere Saaten ausstreuten, ist die Verherrlichung des im Judenthum waltenden Geistes. Solche geschichtliche Monographieen sind von besonderem Werthe. 21. Sept.

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