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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 3 (1866) · p. Seite 260

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
3 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 260 (sequence 100)
Language
German
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260 Mcenstonen. bedenken. Jedoch das sind Einzelheiten. Bei einem so eonsequenten und energischen Denker, wie Chasdai war, mußte unter den gegebenen Einflüssen die ganze philosophische Anschauung zum vollen Gegensätze gegen den arabischen Aristotelismus sich gestalten. Als höchstes Ziel mußte die Erkenntniß hinter die Glaubensseligkeit, das Streben nach Wahrheit hinter praktisches Liebeswirken, in Gott selbst die höchste Weisheit hinter die etwas pathologische Liebe zurücktreten. Es treten hier christliche Einwirkungen hervor, so wenig sich Chasdai derselben bewußt war, und so selbstständig er sich auch in seinem Denken bewegte. Derselbe Fall ist auch mit der Bedingtheit der Willensfreiheit. Wenn im Christenthum die Gnade den Glauben wirkt, also selbst die Gesinnungen nicht im Menschen frei erzeugt sind, so wird auch bei Chasdai, aber freilich nach rein philosophischem Verfahren, die Freiheit beschränkt durch die Ursachen, die außer dem Menschen liegen und seinen Willen bestimmen. Unter dem Eindrücke der um ihn her sich laut erhebenden Behauptung, daß gewisse Menschen zur Seligkeit auserwählt find, bietet ihm bei dieser bedingten Willensfreiheit die dennoch erfolgende Belohnung und Bestrafung weniger Anstoß. Im Allgemeinen aber ist die Energie seines Denkens mehr auf die Auflösung der überlieferten philosophischen Annahmen als auf die Erbauung eines neuen Systems gerichtet; sein System bleibt eigentlich der herkömmliche Glaube, zu dem er flüchtet und unter den er sich beugt, dem er die entgegenstehenden Behauptungen hinwegzuräumen beflissen ist. Chasdai verdient es, daß ihm eine so eingehende Behandlung zu Theil geworden, wie sie ihm der Herr Vrf. widmet, aber umsomehr hätten wir gewünscht, daß derselbe sich nicht begnügt hätte, seine Lehren nach ״ihrem geschichtlichen Einflüsse" zu würdigen, sondern daß er sie auch in engere Beziehung mit der ganzen geschichtlichen Bewegung gebracht hätte. Die. dürftigen Andeutungen, welche wir hier gegeben, verdienten eine weitere Ausführung, und erst durch sie wird die ganze Stellung und Bedeutung Chasdai's klar. Seinen Einfluß auf die spätere Entwickelung weist allerdings Hr. Dr. Joel genauer nach. Wenn er auch weniger populär wurde wie seine Vorgänger und selbst manche seiner Nachfolger, so sind doch die Spuren, die er eingegraben, sichtbar. Albo geht in seinen Fußstapfen, Pico' erkennt in ihm den ersten und bedeutendsten Bekämpfer des Aristotelismus, wie der Vrf. Dies nachweist; die Bekanntschaft mit ihm wurde wahrscheinlich dem Pico durch

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