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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 3 (1866) · p. Seite 259

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
3 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 259 (sequence 99)
Language
German
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Joel: Chasdn Creßcas. 259 mente siegreich sich ausbreitenden Christenthums; die Energie, die dasselbe auch zur geistigen Vertheidigung des durchdie Waffen erworbenen Besitzes entfaltete, bildete nunmehr die Atmosphäre, deren Athem auch die Juden aufnahmen. Diese Bewegung, welche die geistigen Luftschwingungen auch im Lager der Fernstehenden, ja der Gegner bewirken, ist eine so nothwendige, daß sie unbewußt von derselben ergriffen werden und nur den offenbar ihnen Widerstrebenden Erscheinungen sich entgegenstellen. Wenn der Spanier Isaak Albalag, vielleicht schon vor Gersonides, die Welt gleichfalls als ewig setzt, so legt er jedoch nicht den Nachdruck auf die Ewigkeit eines außer Gott vorhandenen Stoffes, vielmehr betont er die Zeitlosigkeit der Schöpfung, sie ist ihm der ewige Act Gottes, ohne den dieser selbst nicht gedacht werden könne. Diese ewige Schöpfung der Welt scheint mir ein Reflex des Christenthums zu sein; die ewige Zeugung des eingeborenen Sohnes, die als eine nothwendige Ausstrahlung Gottes gedeutet wurde, nabm unter den philosophischen Juden die Wendung nach der Welt hin. In gleicher Weise prägt sich bei demselben Albalag die Einwirkung christlicher Anschauung ab in der ernstgemeinten oder vorgeblichen Scheidung zwischen Philosophie und Glauben, die beide neben ein: ander ihre berechtigte Geltung haben, wenn sie auch nicht einstirnmig sind; diese Selbstständigkeit des Glaubens, das dem Wissen widerstrebt, ist dem früheren philosophischen Denken fremd. Von der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts an begann der Druck immer schwerer auf den Juden in Spanien zu lasten, Polemik und Bekehrungsversuche gewannen immer verstärkte Energie; gerade in den kühnsten Denkern mußten sich diese Verhältnisse so- Wohl in dem was sie bekämpften als auch in ihren Feststellungen ausprägen. Wenn Chasdai Crescas der Messiaslehre, bei aller gläubigen Annahme derselben, die Geltung einer Fundamentallehre abspricht, so trieb ihn offenbar dazu ein versteckter Kampf gegen das Christenthum, dem er die Spitze seiner Polemik abbrechen wollte, wie ich Dies bereits früher in Beziehung auf Chasdai's Schüler, Joseph Albo, der diese Behauptung noch nachdrücklicher betont, nachgewiesen habe. Wenn umgekehrt Chasdai die Annahme der Erbsünde ohne Weiteres einfließen läßt, so ist Dies ein unbedachtes Zugeständniß, das er wie der fast gleichzeitige Salomo Alami, bei dem ich Dies gleichfalls aufgewiesen, der christlichen Lehre macht, ohne dessen Begründung zu untersuchen und dessen Tragweite zu 17*

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