Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 3 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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VII. Krim'sche Grabinschriften. 231 wird. In der ThaL aber finden wir in der ganzen alten rabbinischen Literatur von diesen Formeln nicht den geringsten Gebrauch gemacht. Erst seit dem späteren Mittelalter begegnen wir zahlreicheren Eulogieen in der Literatur wie auf den Gräbern. Der eonstante Gebrauch nun von Eulogieen auf diesen alten Grabsteinen und zwar schon als so gewöhnlichen Formeln, daß sie in Abkürzung, als allgemein bekannt und verständlich, angewendet werden, ist daher nicht so unbedenklich, daß wir leichten Fußes darüber hinweghüpfen können. Ein נוהר עדן — יע ist für das I. 6 u. 305, in welchen es auf den Grabsteinen Vorkommen soll, durchaus keine so gewöhnliche Phrase, daß wir sie da erwarten dürften, doch ist sie kurz und ungekünstelt. Wir lassen uns ein תכצ׳בדל aus dem I. 197 (o. 194) wie 719 umsoeher gefallen als es früher aufgelöst vorkommt und einen Bibelvers ziemlich treu wiedergiebt; ein נבת würden wir aus dem I. 262 und 369 nicht erwarten und ebensowenig ein יטגיעם aus dem I. 179, doch sind auch sie als Verstheile und als passende Sprüche berechtigt, die Abbreviatur ist mit Rücksicht auf die Raumersparniß, welche dem Steinmetz geboten war, gleichfalls erklärlich. Alle diese Phrasen sind übrigens in späterer Zeit so geläufig geworden, daß uns deren Vorkommen in älterer Zeit wohl Anfangs frappiren mag, wir uns dann jedoch, wenn wir sonst keine Gründe zum Verdacht haben, beruhigen. Auffallend aber bleibt eine Phrase, der wir im I. 670 bereits als Abkürzung begegnen, wie sie auch, nach Chw.'s Mittheilung ebenso im I. 640 vorkommt, und ansgeschrieben schon im I. 92 (vgl. Chw. S. 88), nämlich תעל טגכבת זעטל על ,תעגהעבל ־כה/־ים) בללונו), es steige empor die Thauschichte auf seine (ihre) Ruhestätte. Diese Eulogie ist eine durchaus unnatürliche; sie lehnt sich zwar theilweise an einen Bibelvers (2 Mos. 16, 14),, allein derselbe hat nicht die entfernteste Beziehung zu Tod und Auferstehung, er sagt, daß die Thauschichte emporgestiegen, d. h. sich von der Erde verzogen hatte und dann unter ihr das Manna sichtbar wurde. Wenn auch in einigen wenigen thalmudischen Stellen von dem Thau, als einem Symbole der einstigen Wiederbelebung, gesprochen wird, so wird doch nirgends dieser Bibelvers dafür angewendet. Kalir soll, nach Zunz, ״diese Worte in Bezug auf die Erweckung der Todten symbolisirt haben"; aber, abgesehen davon, daß auch Kalir erst um die Mitte des neunten Jahrhunderts geschrieben, thut er es in einem vollständig andern und weit natür-