Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 3 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
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228 VII. Krim'sche Grabinschriften. (nicht) trübe geworden, von einer Jungfrau: kurz an Tagen und satt an Unruhe, oder die als Eulogieen klingenden: sie werden gesättigt werden vom Fette, Deine Gerechtigkeit im Lande des Vergessens, satt von Wohlwollen, den erniedrigt, den erhebt Er. Die Wahl solcher entsprechenden Verse für die Angabe des Jahres finden wir nicht blos auf Grabsteinen, sondern auch in sehr treffender Weise auf andern Inschriften. Es ist höchst sinnig, wenn das Jahr, in welchem eine Chazarin eine Pentateuchrolle einer Gemeinde geschenkt hat, mit ״und die Söhne der Fremde, welche sich Gotte anschließen" (Jes. 56, 6) — (4)541:781) ף), das Jahr, an welchem die jerusalemischen Sendboten eine Anzahl krimscher Juden in den Genossenschaftsbund des Rabbinismus aufnahmen, mit den Schrift- Worten ״denn von Zion geht aus" die Lehre (Jes. 2, 3) — (4)717 (957), bezeichnet wird. Fremdartig erscheint es, wenn in dem Chronostiche für das Jahr 935 die Worte וטובע רגז, von denen blos der je erste Buchstabe gezählt werden soll, auch blos durch diesen mit ור angedeutet wird. Einen so starken Gebrauch nämlich die Rabbinen von Abbreviaturen machen, so finden wir dennoch fast nie bei ihnen Bibelverse mit solcher Abkürzung angeführt; Wohl aber ist Dies in karäischen Schriften üblich. Wir können uns Dies bei der unter den Karäern ausschließlichen Geltung der Bibel, die ihnen daher weit geläufiger war, erklären, und da das Ansehen des Karäismus um die Mitte des zehnten Jahrhunderts in der Krim sehr bedeutend war, so verliert auch diese Erscheinung das Auffallende. Daß hingegen ein Chronostich den Eigennamen des Verstorbenen zu seinem Ausdrucke benütze, kommt auf diesen Grabsteinen nicht vor, und ich möchte es auch für den einen Fall, wo es sonst angenommen wird, nämlich für Isaak Sangari, wie oben bemerkt, nicht zugeben. Das schwerste Bedenken erregten und — erregen die Eulogieen. Sie wieaen Wohl nicht so schwer, um die Aechtheit, das Alter dieser Grabsteine zu erschüttern; allein beseitigt sind sie damit noch nicht, und ihr Erscheinen überhaupt wie die Art ihres Auftretens in jener alten Zeit bedarf noch immer einer Erklärung, die *) Der Vers wird mit der Lesart אל, nicht על wie Lei uns, angeführt und so gezählt; dieses ist palästinische, jenes babylonische Lesart, wie die Liste der Abweichungen in dem Codex aus dem I. 1010 ausdrücklich angiebt, vgl. Pinsker, Einleitung in das babylonisch-hebräische Punctationswstem S. 125.