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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 3 (1866) · p. Seite 201

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
3 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 201 (sequence 41)
Language
German
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Dunasch. 201 scharf ausgeprägte Persönlichkeiten einander gegenüber. — Saadias ist der Mann der Vermittelung, welcher neue Resultate, selbstständige Forschung nicht abweisen, aber sie in Einverständniß bringen will mit den überlieferten Annahmen; in solchem Sinne ist er auf allen Gebieten thätig, indem ihm die Wissenschaft lediglich zum Vehikel dienen soll, das Bestehende zu bestätigen, zu befestigen. So ist er auch Grammatiker, Lexikograph, Exeget, um die herkömmlichen Deutungen der Bibel mit den wissenschaftlichen Anforderungen in Einklang zu bringen, und es ist natürlich, daß hier wie anderswo bei ihm die Wissenschaft nicht ihre nüchterne Objectivität bewahrt, sondern sich manchen Zwang, manche Künstlichkeit gefallen lassen muß. Dunasch hingegen ist ein Mann, dem das Sprachstudium als solches eine ernste Lebensaufgabe ist; bei aller Achtung vor dem Feststehenden im Judenthume, über das er wenig Veranlassung hat sich auszusprechen, sucht er nur die Sprachgesetze genauer zu erkennen und ihnen gemäß zu erklären. Gelingt es ihm nicht auf diesem Wege, so sagt er eben einfach, er wisse hier Nichts anzugeben. Wenn Saad. z. B. — wie gewöhnlich dem babylonischen Thargum folgend —1 שילד Moses 49, 10 — עגלו, dessen ist, erklärt, Andere anders deuten, so findet Dun. Dies sprachwidrig, sagt aber recht treuherzig: ich weiß darüber Nichts, lasse es auf sich bewenden, wie es die Art des Gottesfürchtigen ist, vom Gotteswort keinen Buchstaben zu verderben — d. h. keine willkürliche Delltung hineinzulegen (in unserm Büchlein N. 61 Ende S. 20). Nun hat man zwar bereits eine viel ausführlichere und weit sorgsamer ausgearbeitete Schrift Dunasch's, nämlich seine Kritiken gegen Menachem; dennoch lernen wir ihn in der nun erst veröffentlichten Arbeit gegen Saadias von einer Seite kennen, die in jener nicht hervortritt und die uns besonders wichtig ist. Denn mit Menachem steht er im Grunde auf gleichem Standpunkte, nur daß jener, seiner ganzen Charakterbildung nach, denselben mild, ohne polemischen Anlauf vertritt; gegen Menachem steht Dunasch als Person gegen Person, beide blos mit kleinen abweichenden Nüancierungen derselben Methode huldigend, so daß D.'s Bitterkeit oft sehr ungerecht ist und er bei all seinem Poltern nicht selten Unrecht hat. Saadias jedoch und Dunasch vertreten Zwei verschiedene Systeme, und hier muß man D., der, wenn auch seinen Ungestüm nicht ganz verleugnend, doch weit glimpflicher gegen ihn als gegen Menachem auftritt, fast durchgehends beipflichten; hier ist er wirklich Anwalt der objectiven

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