Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 3 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2420973-2420983-2420986--1161-2422243- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
198 V Salomon Maimon. deutung der Wissenschaft, wissen daß die Weisheit mit der Thorah identisch ist, daß diese eben nur die Darstellung der Welt in ihrem Ganzen und ihren Einzelnheiten, Darstellung der Schöpsungs- und Waltungsordnung ist. Sie achten nicht die Erdendinge, wollen blos mit der Thorah und guten Handlungen um ihrer selbst willen ohne Nebenabsicht sich befassen. Um die Thorah und die Propheten nach ihrem einfachen Sinne kennen zu lernen, wollen sie die heilige Sprache nach ihren Regeln erfassen; um sie nach ihrem Liefern Inhalte zu begreifen, erkennen sie die Nothwendigkeit, die vorbereitenden Wissenschaften sich anzueignen. Erst nach einem solchen Studium mit lauterer Seele treten sie der ächten Kabbalah näher, und damit verbinden sie die pünktliche Ausübung der vorgeschriebenen Gebote, wodurch allein die Herrlichkeit Gottes verkündet wird. Diese wenigen auserlesenen Männer sind verhaßt in den Augen der ״Menge der Thalmudisten", vorzugsweise aus Neid und Eifersucht, die einem Andern keinen höhern Vorzug zuerkennen wollen. Darum halten sie die Wissenschaften nicht blos für überflüssig, sondern erklären sie auch als der Thorah widersprechend und den Glauben beeinträchtigend. In Wahrheit aber sind die wahrhaft Weisen auch zugleich die wahrhaft Gläubigen. Ich Salomo Sohn Josua's aus Litthauen — fährt der Vrf. fort — habe von jeher die Genüsse der Welt gering geachtet, mich blos an die Gotteslehre und an das Erforschen der Weisheit gehalten. Allein das Mißgeschick, welches mich von Jugend an verfolgte, ließ es mir nicht zu, mich dem Studium dauernd hinzugeben, fo daß ich es blos gelegentlich betreiben konnte. Da trieb es mich im I. 5538 an, mein Geburtsland zu verlassen, ich entschloß mich in das Ausland zu wandern in der Hoffnung dort Nahrung für mich und die Meinigen zu finden und einige Jahre in Muße mich einem geordneten Studium zu widmen. Nach vielen Mühsalen gelangte ich nach Posen; dort fand ich Wohlgefallen in den Augen des trefflichen Mannes, der damals Rabbiner in Posen war und nun als solcher in Fürth ausgenommen worden.*) Nachdem er *) Dies war Zebi Hirsch beu Abraham; da derselbe bereits am 1. Tebeth 5538 Posen verlassen hatte und zur Uebernahme des Fürther Nabbinats bereits auf dem Wege in Berlin war (vgl. Perles: Geschichte der Juden in Posen, in Frankel's Monatsschrift 1865 S. 261 Anm. 12), so muß sich Dies früher, nämlich in den letzen Monaten des 1.1777 zugetragen haben. Daß er um die Herbflzeit in der Nähe der ״jüdischen Heiligen-