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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 3 (1866) · p. Seite 197

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
3 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 197 (sequence 37)
Language
German
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V. Salomon Maimon. 197 Man bemerkt,' daß eine neue Revolution in Maimon sich vorbereitet, daß er dennoch noch mühsam die alten Denkformen mit den neuen Erkenntnissen versöhnen will, bis er dann endlich mit jenen ganz bricht und sich von ihnen abwendet. Zum Schluß und zur näheren Charakteristik des damaligen Salomon ben Josua mag hier die Schlußstelle der Vorrede in auszüglicher Uebersetzung folgen, eine Stelle, deren Inhalt noch manche andere in der genannten Abhandlung entspricht: Alle verständigen Menschen, sagt er, stimmen darin überein, daß das höchste Ziel die Erkenntniß ist; dennoch theilen sie sich in sehr weit von einander getrennte Ansichten. Die eine Partei bildet die Menge der Thalmudisten (הבלון־ «דלו72דים). Auch sie theilen sich in die Redlichen und die Unredlichen (יעודים ובלתי יעודים). Die ersteren stellen auf, die Bestimmung des Israeliten sei, sich mit der schriftlichen und mündlichen Thorah immer zu beschäftigen, sorgfaltig alle Gebote zu üben; damit allein erlange man diese und jene Welt. Die andern sind zwar vielgespalten, wie es denn nur einen geraden Weg giebt, aber unendlich viele krumme; als das Wesen Aller aber kann man angeben, daß ihre Beschäftigung mit der Thorah nur in Ehr- und Gewinnsucht ihren Antrieb hat. Die Hingebung an die Bibel, finden sie, bringt solche Ehre nicht ein, sie legen sie daher ganz und gar bei Seite, fertigen sie höchstens kurz ab, Grammatik vernachlässigen sie gänzlich, behandeln die einfachen Exegeten verächtlich, wählen Raschi's midraschische Deutungen und überspringen seine grammatischen Erörterungen, mahnen von ihnen ab mit den Worten: ״Das ist eine Dikduk-Naschi". Nur Thalmud und Decisoren wählen sie sich, um Ansehen und eine einträgliche Stelle zu erlangen. Die Aggadah's und Midraschim, welche in sinnbildlicher Form hohe Wahrheiten enthalten, vernachlässigen sie gleichfalls; sie prunken wahrhaft mit ihrer Unkenntniß in diesen Gebieten, sie glauben damit ihren höheren Grad zu bekunden, die Wissenschaft aber schmähen sie, verdächtigen ihre Jünger und verfolgen sie als Ketzer. — Eine zweite Classe ist die der Kabbalisten, welche es einsehen, daß die Thorah tiefe Geheimnisse enthält und die Worte unserer Lehrer verborgen sind; allein sie lassen sich an Worten und seltsamen Phantasieen genügen, ohne klare Begriffe zu haben, worüber ich schon genügend in der Abhandlung ״Maasheh Libnath Ha-Sappir" geklagt habe. Die dritte Classe ist die der Philosophen. Sie erkennen die Würde der Vernunft und die Be-

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