Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 3 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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V. Salomon Maimon. 195 kürliches, sind Ausflüsse der in sich unveränderlich ruhenden Intelligenz, und dennoch nicht den gewöhnlichen Naturgesetzen entsprechend, dennoch einem freien Willen, der sich über den stetigen Laus erhebt, entsprossen, demselben Drange angehörig, der über- Haupt schafft um zu spenden. In solcher Weise geht es mit Abstractionen und Concessionen, mit Abweisung gedankenlosen Gewohnheitsschlendrians und dennoch Verwahrung gegen das Ausgeben hergebrachter Meinungen fort. Es ist wie ein Ringen und Dämpfen, eine Unruhe, die gewaltsam zum Abschlüsse gebracht werden soll. Noch ist der Vf., wie es scheint, unberührt von allen neueren Forschungen, noch gänzlich erfüllt von den schalen Ueberresten des scholastisch-mittelalterlichen Aristotelismus und der verwilderten Kabbalah, die er zu einer höhern Klarheit zu bringen sich bemüht, so daß er sehr gerne auf Ansichten des Nachmanides zurückgeht. Nur einmal kommt in der Abhandlung (c. 11 S. 96) der Name Newton's vor; er habe die sieben Hauptfarben auf dem Prisma gefunden, und diese Lichtbrechungen sind ihm wieder ein Bild für die kabbalistischen Ausstrahlunaen. Mit neueren mathematischen und physikalischen Schriften scheint er sich eben eher bekannt gemacht zu haben als mit philosophischen. Aber bald entwindet er sich auch dieser Enge, und die Bekanntschaft mit den Fortschritten in der philosophischen Literatur brachte neue Gährungselemente in seinen Gedankenproceß. Eine Anmerkung, die offenbar später*) auf einer der Abhandlung unmittelbar vorhergehenden leeren Seite niedergeschrieben ist und sich auf deren Anfang bezieht, giebt uns Rechenschaft darüber. Erhalte dort von der menschlichen Seele gesprochen, welche die Eindrücke von außen empfängt und so emtsprechende Abbilder in sich einprägt, im Gegensätze zum Wesen der unendlichen Intelligenz, welche Alles aus sich selbst erzeugt und daher Alles in sich weiß. Dazu bemerkt er nun: Nach Locke (Versuch über den menschlichen Verstand) sei ein Verhältniß zwischen den wirklichen Gegenständen und den von ihnen in die Seele aufgenommenen Eindrücken keineswegs vor- Händen; allein Leibnitz (neuer Versuch) habe dieses entsprechende Verhältniß nachgewiesen, wenn wir auch nicht Nachweisen könnten, *) Daß M. erst in Berlin, also nach Ende seines zweijährigen Aufent- Haltes in Posen mit Locket Schriften bekannt wurde, berichtet er selbst in seiner Lebensgeschichte (II S. 163).!3 *