Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 3 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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194 Y. Salornon Maimon. Freiheit und um ihren Reichthum aus sich heraus zu setzen, Wohlwollend zu spenden, läßt sie aus sich Kräfte (Sefiroth) entströmen, die im engsten Zusammenhänge mit ihr selbst verbleiben, nur von ihr Leben empfangen, dennoch mit einer gewissen Selbstständigkeit versehen, weiter ausströmen in immer niedrigere Existenzen. Die endlose Intelligenz wird dadurch weder beschränkt noch umgestaltet, gerade wie der Raum — und zu solchen Bildern nimmt die inhaltsleere Abstraction immer ihre Zuflucht — nicht geändert wird durch die Gegenstände, welche ihn erfüllen. Alle emanirten Dinge sind demnach Abbilder (Parzusim), in stufenweiser Folge; das Abbild erhebt sich, wenn es den Zusammenhang anstrebt mit der Kraft, der es entströmt ist, es steigt herab, wenn es an die Existenzen sich knüpft, die ihm wieder erst ihre Entstehung verdanken. Die menschliche Seele ist die höchste, reinste Ausstrahlung der unendlichen Intelligenz, sie ist eine selbstständige Kraft, welche die Empfänglichkeit in sich trägt, alle Existenzen wiederum als geistige Abbilder in sich aufzunehmen; sie ist von diesen unabhängig, aber sie trägt sie in sich als einen sichern Erwerb, der vollkommen den gedachten wirklichen Dingen entspricht. Insofern sie mit allen den empfangenen Eindrücken in enge Verbindung tritt, kann sie sich Herabdrücken lassen, aber auch frei sich emporschwingen; Letzteres ist ihre Aufgäbe, ihr Lohn, ihre ewige Wonne. Sie setzt sich in Verbindung mit andern hohen Kräften, indem sie durch gewisse Handlungen deren Abbilder auf sich wirken läßt; das sind jene götzendienerischen Werke, welche Einflüsse der Sternbilder und Sphären selbst durch Farben und andere Aeußerlichkeiten anregen. Umgekehrt bringt sich die Seele in innige Einheit zur höchsten Intelligenz durch andere Handlungen — das sind die biblischen Vorschriften —, welche nicht blos in jener nüchternen Maimonidischen Weise als Vorbeugungen, als Ausflüsse reiner Moralgebote betrachtet werden dürfen, sondern als den wirklichen Anschluß an das En-Sof vermittelnd. Auch hier sind selbst Farben entscheidend, so wie wenn der Hohepriester am Versöhnungstage nur in Weißen Gewändern, nicht in den goldbelegten, daher röthlich'en, den Dienst versehen soll, wie umgekehrt der purpurrothe Faden als Zeichen der Sünden- Vergebung erbleicht. Wir sind hiermit wieder bei den magischen, nicht vernünftig vermittelten Einwirkungen angelangt, und zu ähnlichen Behauptungen gelangt Maimon auch in Betreff der Wunder. Sie sind allerdings nichts die Gesetze Durchbrechendes, nichts Will-