Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 3 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Y. Salornon Maimon. 193 klärungen zu einzelnen, namentlich kabbalististischen Stellen des Pentateuchcommantars von Bechai ben Ascher enthaltend, ist unvollendet, sie bricht in Mitten des Abschnittes Chaje Sarah ab und umfaßt kaum sechs Doppelseiten. Auch die erste, welche Ausführungen zu Nissim's Deraschoth auf 11 Doppelseiten enthält, scheint unvollständig zu sein und ist von geringer Bedeutung. Die Erläuterung zu Aben Esra's Pentateuch- und Psalmen-Commentar, welche die zweite Abhandlung bietet, geht für den ersteren auf 28, für den andern auf 10 Doppelseiten, nur auf ausgewählte Stellen ein, erklärt zuweilen Grammatisches, führt hie und da Philosophisches weiter aus, ergeht sich besonders gern in der Erörterung von A. E.'s Zahlenspielereien. Als die wichtigste Abhandlung erscheint mir die vierte, welche einzelne metaphysische Fragen selbstständig bespricht nach dem alten jüdischen Namen: Schöpfungswerk und göttlicher Wagen und auf-den alten jüdisch-philosophischen und kabbalistischen Grundlagen ruhet, in 16 Capiteln auf vierzehn Doppelseiten. Maimon's Denken ist, wie wir Dies nach seinem Ursprungslande nicht anders erwarten dürfen, von der Kabbalah ausgegangen, die er durch Maimonides läutert und vergeistigt, ohne aber von ihr ganz abzufallen; auf diesem Standpunkte verharrt er noch in der genannten Abhandlung wie in der, neun Doppelseiten umfassenden Vorrede. Er tritt Zwar mit aller Entschiedenheit gegen die gewöhnlichen Kabbalisten auf, die sich mit den mystischen Prunk- Worten begnügen, ohne ein tieferes Verständniß damit zu verbinden; er verlangt mit Maimonides die Erhebung über die sinnliche Einkleidung, die Auffassung der reinen Idee, welche sich aller endlichen Schranken zu entschlagen weiß. Allein sein Ausgangspunkt bleibt die nebelhafte formale Abstraction, die weil sie ganz ungreifbar und ein zerfließendes Dunstgebilde ist, die willkürlichsten und gefährlichsten Annahmen gestattet, sobald sie sich in die reale Welt einsenken will. Das einzige Sein, welches nicht vermehrt und nicht anders gestaltet werden kann, ist ihm die endlose freie Intelligenz (En-Sof), die, weil die höchste Vernunft, auch immer in vernüns- Ligen Gesetzen sich bewegt und dennoch auch frei schaltet. In dieser Vorrede dazu erklärt er diese Arbeit als sein erstes Geistesproduct". Darüber wird bald das Nähere folgen; das Werk, das angeblich sein erstes Geistesproduct sein soll — wovon jedoch die Vorrede nichts sagt —, ist demerst in Posen abgefaßt worden. Vierteljahresschrift. IV. 3. 13