Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 3 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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IV. Die hebr. Handschriften in Paris. 179 läufige Kommentar des S. zum Pentateuche, der uns gewiß reiche Belehrung bieten würde, und welcher David ben Abi-Simra in Aegypten noch am Anfänge des 16. Jahrhunderts vorlag, scheint für uns gänzlich verloren. Handschriften find uns aufbewahrt nur von Werken, die in den späteren Zeiten des Mittelalters gesucht und daher vielfach abgeschrieben wurden; was man damals als überlebt betrachtete oder sonstwie nicht mehr beachtete, ging verloren und hat nirgends eine Zufluchtsstätte gefunden. Denn die großen Sammlungen in den öffentlichen Bibliotheken sind nicht mit Auswahl, mit Aufsuchung des Wichtigen angelegt worden, sondern sie waren Sammelorte des zufällig Zusammengerafften, daher auch gerade des zu den verschiedenen Zeiten leicht Zugänglichen. Nur wenige Bibliotheken verdanken, zumal für die jüdische Literatur, ihre wesentliche Grundlage einsichtsvollen Sammlern, gelehrten Reisenden, die, wenn auch oft einseitig, mit gewissen Absichten Handschriften ankauften oder auch sich Abschriften anfertigen ließen. Die Sammlungen, welche solche Bibliotheken enthalten, bieten daher nach manchen Seiten hin sehr Werthvolles. So hat die Münchner Bibliothek durch Widmanstadius kostbare philosophische und kabbalistische Werke empfangen, die er im 16. Jahrh. in Italien erworben, so in noch reicherem Maße die Bodlejana zu Oxford vorzugsweise arabische Originale, schätzbare Poetische Sammlungen durch Huntington und Pococke im folgenden Jahrhundert aus dem Orient; die Bibliothek zu Leyden bewahrt außer philosophischen und anderen wichtigen Werken namentlich die einzige Sammlung sehr bedeutender karäischer Werke durch Scaliger und Warner, die Bibliothek zu Parma besitzt aus de Rosst's umsichtiger und verständiger Sammlung, die er in einem langen Leben bis in dieses Jahrhundert hinein angelegt, einen ebenso reichen wie sorgsam gewählten und nach allen Seiten hin bedeutenden Schatz von Büchern. Diese Sorgfalt ist in neuerer Zeit namentlich von den Bibliotheken England's mit ihren reichen Mitteln zu ihrer Vermehrung und innerlich werthvollen Ausstattung verwendet worden; so hat die Bodlejana die Oppenheimer'sche Bibliothek und die Handschriften Heimann Michaelas und anderes Einzelne erworben, und ihre jüngere Schwester, die des britischen Museums, eifert ihr nunmehr nach, so daß sie gegenwärtig, während der Vorbericht des neuen Katalogs der Pariser Bibliothek (S. VI) angiebt, die Zahl der dort aufbewahrten Handschriften habe vor ziemlich kurzer Zeit nicht 12*