Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 3 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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IV Die hebr. Handschriften in Paris. 177 über dieselben ergingen, die rohe Wuth, mit der man so oft die Vertilgung ihrer Schriften systematisch betrieb, lassen uns staunen, daß noch so Vieles davon gerettet ist. Der innigen Liebe der Juden selbst an dieser Geistesnahrung, welche sie zu allen Opfern befähigte, verdanken wir zunächst die Aufbewahrung der Neste jener alten Literatur; die ״Großmuth" sodann, ״der heilige Eifer", Kirchen und Klöster mit seinem, freilich sonst nicht sehr verwendbaren, Raube zu beschenken, die Prunksucht der Großen, ihre Bibliotheken mit diesen seltenen Werken zu schmücken, haben sie vor gänzlichem Untergange bewahrt. Erst in neuerer Zeit ist ein besserer Wissenschaftlicher Eifer an die Stelle dieser letzten unedleren Motive getreten und hat mit besserem Verständnisse aus fernen Gegenden die aufbewahrten Ueberreste herbeizuschaffen gesucht und gewußt. Die Verluste, welche die jüdische Literatur erlitten, sind im höchsten Grade empfindlich; gerade von den wichtigsten Werken fehlen uns alte Handschriften, welche uns eine frühere Recension als sie unsere Drucke liefern, darbieten würden. Unsere Bibel- Handschriften reichen nicht über das zwölfte Jahrhundert hinaus, nur wenige gehören dem elften an; bedenkt man aber, welche bedeutende Aufschlüsse uns die in der Krim, in Kaukasien aufgefundenen Ueberreste aus dem zehnten Jahrhundert eröffnen, so kann man den unermeßlichen Schaden ahnen, welcher uns aus dem Mangel alter Bibelexemplare aus früherer Zeit erwächst. Von den ersten Werken der xeichen thalmudischen Literatur ist uns fast nichts Handschriftliches geblieben; man begreift kaum, wohin die Exemplare alle, die doch vor dem Drucke dieser ÄHerke so vielfach gebraucht wurden, nun nachdem sie gedruckt sind, hingekommen. Mechiltha und Sifre, welche sicher die vielfachste Ueberarbeitung gefunden haben, sind handschriftlich sogut wie verschwunden, Sifra und Thoßeftha, die uns ziemlich treu erhalten sind, werden blos durch wenige Handschriften vertreten, von der jerusalemischen Gemara ist, so viel mir bekannt, lediglich das Exemplar, aus welchem der erste Druck hervorgegangen, in Leyden aufbewahrt, und wie ausgiebig wäre gerade für sie die Möglichkeit einer Vergleichung mit einigen alten guten Handschriften! Wie höchst selten sind selbst vollständige Exemplare der babylonischen Gemara, wie wenig bieten in dieser Beziehung die reichsten Bibliotheken! — Aehnlich verhält es sich auf dem Gebiete der Thargume. Das babylonische Thargum zum Pentateuch, Onkelos, ist vielfach da; Handschriften wie die Bierteljahresschrift. IV. 3. 12