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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 3 (1866) · p. Seite 176

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
3 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 176 (sequence 16)
Language
German
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176 IV. Die hebr. Handschriften in Paris. ihre Anknüpfungspunkte. Nur die Geschichte selbst ist in ihr schlecht vertreten, ein Mangel, an dem das ganze Mittelalter litt und den die Absonderung der Juden bei diesen noch erhöhte. Ein besonders interessantes Gepräge erhält die jüdische Literatur durch die weite Zerstreuung der Juden, welche nun, an den Literaturen der verschiedensten Völker sich betheiligend, von diesen ausgenommen und die verschiedenartigen Bestandteile, wie sie von den entlegensten Gegenden eingedrungen sind, in einander verarbeiten und weithin tragen. Es hat etwas wahrhaft Ergreifendes, aus den rohesten Ländern, wenn auch in stotternden Lauten, oft die edelsten Gedanken aus einer reich entwickelten Literatur zu vernehmen. Wie hat die spanisch-arabische Philosophie sich tief in das ganze' jüdische Schriftthum aller Welttheile eingesenkt, wie klingt sie . selbst in der phantastischen und verwilderten Kabbalah durch und hat fähige Köpfe in Mitten tiefer Geistesfinsterniß angeregt; wie hat der Schwung und der Geschmack gebildeter Dichter im schwersten Drucke einen gewissen ästhetischen Sinn erhalten und vielfach zu Nachahmungen veranlaßt, die-freilich den gelähmten Schwingen mißlingen mußten und dennoch dem Gemüthe eine erfrischende Nahrung gaben! Diese Verbreitung und Verschlingung der jüdischen Literaturprodukte ist nicht ohne welthistorische Ein- Wirkung geblieben; als Vermittler und Verarbeiter fremder bedeutender Geisteserzeugnisse haben die Juden zur Pflege der Bildüng in noch brach liegenden Ländern Wesentliches geleistet, und die große Zahl von Uebersetzungen der verschiedenartigsten Werke, welche jetzt unbeachtet in den Winkeln der Bibliotheken liegen, haben zu ihrer Zeit mit Recht große Aufmerksamkeit erregt und die Geister in ungekannte Gebiete eingeführt. Freilich trägt die Zerstreuung auch die Schuld daran, daß zahlreiche Werke, die unter Umständen eine tiefgehende Einwirkung nicht verfehlen konnten, weil sie zu Ungelegener Zeit, an einem abgeschlossenen Orte entstanden, bei ihrem Erscheinen nicht in die rechten Hände gelangten und bald fast ganz vergessen wurden. Die neuere Zeit hat die merkwürdigsten Entdeckungen der Art gemacht, und wie Vieles mag uns völlig verloren sein, das uns aus Zeiten und Orten, die uns unbekannt geblieben, ungeahnte Belehrungen zurusen würde! Zu diesen natürlichen Schwierigkeiten für die Erhaltung sehr vieler, vielleicht bedeutender Werke kommen aber noch die andern hinzu, welche im Schicksale der Juden liegen. Die grausamen Verfolgungen, welche

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