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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 3 (1866) · p. Seite 175

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
3 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 175 (sequence 15)
Language
German
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VI. Die hebr. Handschriften in Paris. 175 teresse. Diese Literatur nämlich ist von einer überraschenden Mannichfaltigkeit, erstreckt sich über alle Gebiete des Wissens und des Lebens und bekundet, wie die Juden, selbst in dem sie eng abscheidenden Mittelalter, mit offenem Blicke jede geistige Bewegung verfolgten und aufs Innigste an allen Lebensverhältnissen Antheil nahmen. Nicht etwa blos die aus dem Judenthum hervorgehenden oder doch mit ihm eng verbundenen Disciplinen, wie Bibel- und Thalmuderklärung, halachische Discussion, Gesetzesdeutung und -Zusammenstellung, hebräische Grammatik und Lexikographie, Religionsphilvsophie wie alle anderen Zweige der Philosophie, Kabbalah und Liturgik, hebräische Poesie und dgl. sind reichlich'bedacht, sondern auch entlegene Gebiete sind angebaut; die Mathematik zählte eine reiche Zahl von Bearbeitern und stand in ganz besonderer Gunst, Medicin in allen ihren Zweigen und mit allen ihren Hülfswissenschaften wurde eifrig gepflegt, anch die Musik, nach scholastisch-aristotelischer Auffassung ein Zweig der Mathematik, ward theoretisch nicht vernachlässigt. Ja wir begegnen Schriften, die wir am Wenigsten als von mittelalterlichen Juden ausgehend erwarten würden; nicht blos das Verfahren bei Behandlung der Pferde in den Marställen wird gelehrt*), sondern auch Anleitung gegeben, wie man Fleisch Lranchiren solle, um es am Tische der Vornehmen zu serviren**). Die Literatur, das erkennt man an solchen Beispielen, verharrte nicht in einseitiger Verdumpfung, sie hat nach allen Seiten hin *) In Oxford befindet sich die Uebersetzung des Werkes von Iordanus NufuS: de equo et re hippiatrica, welches Wolf nach Gagnier h. h. IV N. 982 c. S. 861 auführt; in der Vorrede des Verfassers, welche der Uebersetzer auch übertragen, heißt es: ערבתי לחבר קצת דברים מעניין חברם . .. אני יורדאנוס רופוס בלקלאבריאח באוריות חדרן חאיבלפראדור פידריקר ,.ich habe es unternommen Einiges zusammenstellen über die Be- Handlung des Pferdes, ich Iordanus Rusus aus Calabrien, (angestellt) bei den Ställen des Kaisers Friedrich". Gagnier übersetzt ערבתי (vgl-I Ier. 30, 21) nicht ganz richtig mit: plaenit mihi, ganz falsch באוריות (vgl. 2 Chr. 9, 25): ad mandatnm. Es wird darin ebenso von der Zähmung und Pstege wie von der ärztlichen Behandlung des Pferdes gehandelt. **) Die Pariser Bibliothek enthält eine kleine aus dem Lateinischen überletzte Abhandlung: ס' בלעשה כריתות הבשר לשרת על שלחן הנכבדים. Sie befindet sich am Ende eines medicinischen Werkes im ancien fonds N. 355 und ist in dem neuerschienenen Kataloge (Oatalogues des Mannscrits Hebreux et Samaritains de la Bibliothäque Imperiale 1866) unter N. 1188 S. 218 ausgenommen.

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