Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 3 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2420973-2420983-2420986--1130-2422212- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
II. Der Thalmud als LibelkritischeS HülfSmittel. 167 mit dieser Auffassung im Zusammenhänge, wenn הסופדים gelesen wird, also: auch die Soferim, die Schriftgelehrten, umkreisen wegen seiner die Straße, nicht aber wenn הסופדים. 2. Mo6d Katon 25 a wird gelehrt, die Ehre eines dahingeschiedenen Gelehrten verlange, daß er auf derselben Bahre, auf welche er zuerst gelegt worden, auch bestattet und nicht wieder von dieser auf eine andere gebracht werde (חכם כבודו בבלטה דאעוונה). Als biblischer Beleg dafür wird die Stelle 2 Sam. 6, 3 angeführt, wo es bei der Ueberführung der Bundeslade heißt: Sie brachten die Lade Gottes auf einen neuen Wagen (עגלה חדעוה). Wie aus dieser Stelle, wenn auch die Leiche eines Gelehrten der Bundeslade gleichgestellt werden soll, die fragliche Lehre gedeutet werden kann, erklärt sicher Raschi richtig, wenn er bemerkt, dieser ״neue Wagen" sei nämlich derselbe gewesen, auf welchem auch vormals die Philister die Lade aus ihrem Gebiete wieder nach Beth-Schemesch zurückgebracht hatten (indem es nämlich auch dort heißt (1 Sam. 6, 7): machet einen ״neuen Wagen"). Das ist nun ganz wohl im Sinne des Thalmud; allein die späteren Erklärer finden mit Recht, daß dann eine andere Bibelstelle völlig übersehen wäre. Denn als die Lade von den Philistern nach Beth-Schermsch gebracht worden, brachten sie die Kühe, welche den Wagen gezogen, als Brandopfer dar, das Holz des Wagens selbst aber spalteten sie, um damit das Opfer in Flammen aufgehn zu lassen (ויבקעו את עצי העגלה, das. V. 14). Die künstlichen Lösungen, an denen man es nicht hat fehlen lassen Zur Beseitigung dieses auffallenden Widerspruchs, können wir füglich übergehn. Beachtenswerth hingegen ist die Annahme Jakob Sapir's in der hebräischen Zeitschrift Libanon (Paris 1865 S. 298). Er beruft sich auf einen Kennicot'schen Codex und auf einen andern alten Codex, den er selbst in der karäischen Synagoge zu Kahirah eingesehn, woselbst es in 1 Sam. 6, 14 nicht heiße: sie spalteten das Holz des Wagens, sondern: das Holz des Brandopfers (העולה), d. h. zur Verrichtung des Brandopfers gerade wie 1 Mos. 22, 3. So, meint er, habe nun auch die LA. dem Thalmud Vorgelegen, und natürlich sei dann nur ausgesprochen, daß man anderweitig bereitliegendes Holz zu diesem Zwecke gespalten habe, der Wagen aber sei aufbewahrt und später wiederum zur Fortbringung der Lade gebraucht worden. Allerdings wird diese Lesart von keiner alten Uebersetzung bestätigt und bleibt es sehr dahingestellt, wie viel Werth wir ihr