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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 3 (1866) · p. Seite 165

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
3 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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II. Der Thalmud als bibelkritisches Hülssmittel. ]65 Haß, freudig wurde die Nachsucht als Opfer dargebracht, ein Wohlgefälliges Opfer, duftender als aller Weihrauch! — Auch in späterer Zeit, in den Tagen des zweiten jüdischen Staatslebens, entbrannte wieder ein Bruderkampf — daß wir so traurigen Begebenheiten so häufig begegnen! Ja leibliche Brüder stritten mit einander um die Herrschaft, Söhne derselben Mutter riefen die Waffengewalt an zur Entscheidung, wem die Macht gebühre, und wieder mußte das Volk in seinen einzelnen Theilen, um den Ehrgeiz der Großen zu befriedigen, sich zerfleischen. Hyrkan und Aristobul bekämpften sich, der Eine mit den Seinen, unter denen die Priester, innerhalb Jerusalems, der Andere mit seiner Schaar draußen mit Kampfesgier zur Belagerung gerüstet. Unter diesen befand sich auch ein frommer Mann, er hieß Onias; seinem Gebete legte man wunderkräftige Wirksamkeit bei. Bete für den Sieg unserer Waffen, heiliger Mann! rief das Volk wild ihm entgegen. Onias betete: Herr des Weltalls, Vater unser Aller, drin stehen Deine Kinder, die Priester an Deinem Heiligthume, Verehrer Deines Namens, hier Deine Kinder, Söhne derselben Mutter; ach Gott, höre nicht das Gebet der Einen gegen die Andern, nicht die Ver- Wünschungen Dieser gegen Jene! Lenke die Herzen beider Theile zum Frieden und zur Bruderliebe! Die Worte wurden seiner Lippe abgeschnitten, das Volk in leidenschaftlichem Toben wollte das Wort des Friedens, der brüderlichen Anerkennung nicht vernehmen; der fromme Onias hauchte unter den Steinwürfen der Zornerglühten sein edles Leben aus.*) —- II. Der Thalmud als dibe!kritisches Hülfsmittel. Schon vielfach ist in neuerer Zeit nachgewiesen worden, daß die halachischen und hagadischen Deutungen namentlich in den älteren thalmudischen Schriften nicht selten auf Lesarten sich gründen, welche von unserm gegenwärtigen Texte abweichen, die Aufmerksamkeit auf dieselben daher eine schätzenswerthe bibelkritische Hand- *) Iosephus jüdische Alterthümer XIV, 2, 1.

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