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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 3 (1866) · p. Seite 164

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
3 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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164 I. Alte Erinnerungen. Sieg der eignen Meinung, die Herrschaft der persönlichen Uebertzeugung an und konnten es nicht über sich gewinnen zum Heile oer Gesammtheit. irgend ein angemaßtes Recht auf den Altar des Vaterlandes niederzulegen, in friedliche Verbindung einzugehen mit der abweichenden Gesinnung, um die gemeinschaftlichen Angelegenheilen zu fördern. In kleinlichem Gezanke zersplitterte die gesunde Volkskraft, in endlosen Reibungen unter einander um den Vorrang des Einen oder des Andern vergaßen sie die höhern Aufgaben liebender Einigung, und selbst im Kampfe mit dem übermächtigen Unterdrücker, der aller Leidenschaft ein edles Ziel vorsteckte, alle Begeisterung zur Todesverachtung entflammte, konnte die Eifersucht nicht zum Schweigen gebracht werden. Der Staat siel, weil er gebrochen war, das Volk ging unter, weil es schon längst zersplittert gewesen.- Es war einst wiederum der Kampf zwischen Juda und Israel entbrannt, das erstere unterlag. Zahlreiche Gefangene fielen in die Hand der Sieger, und ein hartes Schicksal drohte ihnen von deren Erbitterung, von dem Nachegesühl des Ueberwinders. Da trat ein Prophet auf — er ist wenig bekannt, aber sein kurzer Name verdient mit goldener Schrift in die Tafeln der Weltgeschichte eingegraben zu werden — da trat der Prophet 'Oded auf und richtete das Wort an die siegenden Israeliten: Ihr Freunde, sprach er, zahlreiche Opfer sind aus Juda gefallen durch eure Hand, ach, das ist zum Himmel gedrungen; wollt ihr nun etwa freiwillig Schuld häufen, indem ihr den Gefangenen, den Söhnen Juda's, das Joch der Knechtschaft auferlegt? Höret mich, daß nicht der Zorn Gottes gegen euch entbrenne! Gebet zurück die Gefangenen; auch sie sind eure Brüder, euer ist der Sieg, euer sei auch die Bruderliebe! Das Wort drang in die Herzen. Die Häupter des Volkes traten zusammen und sprachen: nein, wir wollen die Sünde nicht durch neue Schuld vermehren; sie nahmen die Gefangenen, die Brüder, kleideten die Nackten, gaben Schuhe den Entblößten, salbten sie und führten die Schwachen und halfen den Strauchelnden, daß sie sicher ohne Anstoß wieder in die Heimath zurückkehren konnten *). Ach, das war ein schöner Sieg, schöner als der blutige, den die Waffen erfochten; besiegt war der Groll, überwunden war der ף Zweites Buch der Chronik Kap. 28 V. 9 ff.

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