Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 4
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 301 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Christliche Gelehrsamkeit und Judenthum. 301 tungen Saft uni) Nahrung gezogen. Wenn ferner die Pharisäer nicht buch st adelnde Heuchler waren, wenn sie vielmehr, als Männer volksthümlicher Tbatkraft, einen ernsten Kampf mit dem äußerlichen Priesterthume eingingen, mögen auch ihre Mittel noch nicht die rechten, ihr Standpunkt noch ein enger gewesen sein: dann ist wiederum die Schilderung, welche die Evangelien von ihnen entwerfen, schief, dann ist der dunkle Hintergrund, welcher das anbrechende Licht des Christcnthums noch mehr hervortreten läßt, hinweggenommen. Desitzsch muß sich gegen eine solche wahrhaft geschichtliche Auffassung auflehncn, er muß in jenem Halbdunkel verbleiben, in welches die Parteilichkeit und der Mangel an gründlicher Forschung jene Zeiten und ihre Richtungen gehüllt hat. Auffallender, aber auch bedauerli.chcr ist es, wenn ein neuerer Bearbeiter der de Wette'schen Archäologie, Näbiger, trotz allem Prunke der späteren Literatur, mit welchem das Buch ausgestattet ist, nichts Besseres zu bieten weiß, als de Wette ein halbes Jahrhundert früher in seiner ersten Ausgäbe (1814) sagte. Eine Arbeit de Wette's verdiente eine Verjüngung. Dort lesen wir § 274 der neuen, vierten Auflage (Leipzig 1864 S. 413 ff.) über die Pharisäer und Sadducäer: ״Jene wirkten bei strengster Wahrung des Gesetzes nach dem Buchstaben der alten Verheißung für die Zukunft ihres Volkes, diese bequemten sich unter Behauptung des Zuträglichen und Möglichen den Zeitverhältnisscn an, während beide sich durch die Annahme oder Verwerfung zoroastrischer Lehren und besonders durch die Anerkennung der lieberlieferung neben den Büchern des A. T. als Glaubens- und Gesetzesguelle oder deren Verwerfung von einander schieden. . . . Die Sadducäer bewahrten in gewisser Rücksicht den alten Hebraismus treuer, standen aber vereinzelt da und mit dem herrschenden Geiste in Widerspruch: daher auch die Pharisäer mehr Volksgunst besaßen, welche sie aber zu politischen Zwecken mißbrauchten und mehr als einmal mit der Staatsgewalt in Conflikt traten." Wer kann nun aus diesen unklaren, einander selbst aufhebenden Worten sich ein Bild von den beiden, das ganze zweite jüdische Staatsleben durchziehenden Parteien entwerfen? Bei de Wette war der Jrrthum in seiner alten Einseitigkeit, daher wenigstens consequent. Von ihm nämlich ist ausgenommen, daß die Pharisäer zoroastrische Lehren sich angeeignet, die Ueberlieferung anerkannt, während die Sadducäer Beides verworfen haben, und so erscheinen diese als treue Anhänger des Alten. Nun kommt aber die Zuthat des Herrn Räbiger, die