Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 4
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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302 Umschau. mit der de Weitzschen Darstellung im vollsten Gegensätze steht und dennoch ganz harmlos mit ihr verbunden wird. Von denselben Sadducäern, welche als die treuen Bewahrer des alten Hebraismus bezeichnet werden, wird in einem Athem gesagt, sie hatten sich den Zeitverhä'ltuisse anbequemt, so daß die Pharisäer eigentlich-die streugen Wahrer des Gesetzes gewesen. Die neue Zuthat aber ist von Berthe au entnommen, wie uns eine Anmerkung auf S. 415 belehrt: ״Berthcau zur Geschichte der Israeliten S. 426 leitet beide Sectcn, heißt cs daselbst, von den Chasidim oder den Vorkä'mpfen für die israelitische Eigenthümlichkeit und gegen griechische Neuerung (1. Makk. 7, 13) ab. Die meisten derselben seien nach dem Siege Pharisäer und somit Gegner gegen alle Neuerung geworden, während ein kleiner Theil derselben als Sadducäer freiere, weniger abschließende Ansichten behauptet hätte. Dies ist allerdings richtig, die Pharisäer sind die strengen Patrioten, wie besonders aus der Richtung der Partei des Gauloniters Judas erhellet; aber obiger Gegensatz ist auch richtig, so daß also in einer Hinsicht die Pharisäer Gegner der Neuerung und die Sadducäer Freunde derselben, in anderer Hinsicht hingegen Erstere Fremdartiges in den Hebraismus zulassen. Letztere es ausschließen". Wen eine solche Lösung des Widerspruches befriedigt, indem man beide Gegensätze auf das friedliche Papier neben einander hinstellt, der mag es thun; wie mau aber damit eine klare Vorstellung verbinden will, bleibt mir unbegreiflich. Eine spätere Anmerkung (S. 416 f.) geht endlich auch auf die neueren jüdischen Forschungen ein; hören wir auch hier das Urtheil! ״Beachtenswerthe Beiträge für eine Geschichte und Charakteristik der Pharisäer und Sadducäer besonders aus talmudischen Quellen haben in neuerer Zeit geliefert Grätz . . ., Jost . . ., Herzfeld . . ., Geiger . . . Geiger leitet die Sadducäer von dem priesterlichen Geschlechte der Zadokiten ab und sicht sie als eine priesterlich-adlige Aristokratie an. Dieser Ansicht stehen nicht geringe geschichtliche Bedenken entgegen; zu bereitwillig stimmt ihr bei der Berichterstatter in der Protest. Kirchenzeit. 1862 Nr. 44. Ganz verfehlt aber ist es, wenn G. in der letzteren Schrift S. 35 die Pharisäer als die demokratische oder Fortschrittspartei bezeichnet und den Pharisäismus mit dem Protestantismus, den Sadducäiömus mit dem Katholicismus parallelisirt. Der Pharisäismus war eine Orthodoxie des Buchstabens und als solche ohne Zukunft; wenn eine bloße Orthodoxie lange still fortleben kann, so mußte doch eine politische, und