Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 4
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2420973-2420988-2420991--0942-2422187- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
290 IV. Judisch-chazarische Analekten. In meinen Untersuchungen über die allste Geschichte der Juden im heutigen Rußland*) suchte ich nachzuwe's.n, wie die frühe Berührung der Chazarcn mit den entwickelten Inden, die Ln den Slavcnla'ndern und im heutigen Südrußland wohnten,**) auf erstere von mächtigem Einfluß war; wie man blos durch diesen Umstand die frappante Thatsache sich £11 erklären hat, daß die Chazarcn in Ansehung von Kultur alle ihre Stammgenossen, mögen sie sinnischen oder tatarischen Ursprungs gewesen sein, weit überragten. Wenn wir nun von diesem Standpunkte ausgehen, dürfte uns die Möglichkcit, daß die Chazaren von ihren jüdischen Landsleuten noch vor ihrer Bekehrung den Namen eines Kleides entlehnt haben sollen, nicht mehr auffallend erscheinen. Nach dieser Vorbemerkung wird man cs nicht als extravagant betrachten, wenn ich sage, daß 'c'QixQaxiov identisch mit dem bebräischeu ציצית, ציצה gewesen, und somit ein mit Quasten, Troddeln oder Fransen besetztes Kleid bezeichnte; denn nach Abwerfnng der griechischen Endung tov und der chazarischcu ak***) erhalten wir den Stamm ציצה, ציץ. Sollte diese Vermuthung sich bestätigen, so wäre diese philologische Bemerkung auch von kulturhistorischem Interesse. Denn sogar in Byzanz, wo mau sich von allem Jüdischen absperrte, konnte man doch nicht dem Einflüsse der so verachteten Juden entgehen, wenn auch durch Vermittelung der halbwilden aber gefürchteten Chazaren; die byzantinischen ösanoTca, als sie bei der Eemiiome ihre Tzitzakia anzuziehen pflegten, ahnten gar nicht, daß sie damit eine schwere Sünde begingen, und zu den Judaizantes gehörten! Uebrigens muß ich noch bemerken, daß die Sitte, Kleider mit Quasten und Troddeln bordirt zu tragen, keineswegs einzig und allein den Juden gehörte. Im Gegcntheil belehrt uns ein Blick auf die *) Erschienen theilweise hebräisch in der Zeitschrift ״Hacarmel" IV., V. Jahrg., jetzt veranstalte ich eine erweiterte und viel umgeänderte russische Bearbeitung. ־**) Vergl. die merkwürdige Stelle von Chordadbeh bei Reinaud, Geographie d’Aboulfeda, Introduction p. LVIII. ""ל Ein jüdischer Schriftsteller aus dem 10. Jahrhundert, Joseph Gorionides, sagt von der Wolga, die bekanntlich bei den Chazaren Atel hieß: והם נהרי הית^ הלא אט^אך hy הלנים.