Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 4
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Die Sternbilder im Hiob. 275 als der Hyadcn verschiedene Angaben finden. In Betreff der Hyaden habe ich schon oben bemerkt, daß man in früherer Zeit sieben zählte, wahrend sich später die Zahl fünf geltend gemacht hat. Was die Plejaden betrifft, so nannte man deren zwar sieben, aber man zählte nur sechs. Quae septem dici, sex tarnen esse solent sagt Ovid.*) Wie bekannt, hat dies schon bei den Griechen zu mancherlei Sagen Veranlassung gegeben, wie namentlich Ovid in der angeführten Stelle erzählt, daß die eine sich verborgen habe, um die Zerstörung Troja's nicht mit anzusehen. Ich denke mir demnach den Ursprung der thalmudischen Sage auf folgende Weise. Der Frühanfgang der Plejaden wurde als Anfang des Sommers wie ihr Frühnntergang als Anfang des Winters betrachtet.**) Da die ausgehenden Plejaden den Sommer bringen, so dachte man sich, je mehr Sterne die Plejaden enthalten, desto trockener der Sommer, eine Verminderung in der Zahl der Plejaden müßte einen minder trockener! Somnrer erzeugen. Da umgekehrt die aufgehenden Hyaden Regen brachten, so dachte man, je weniger Hyaden, desto weniger Regen. An derselben Stelle im Tractat Berachoth findU sich noch eine andere wunderliche Sage, daß nämlich die Kometen nie über den Orion hinansgehcn, und, wenn sie über ihn hinausgingen, die Welt unterginge. In nicht minder wunderlicher Weise werden die Kometen in einer griechischen Sage mit dem Orion in Verbindung gesetzt. Es sollen nämlich Töchter des Orion, die nach dem Gebote des Orakels als Sühnopfer fielen, an den Himmel versetzt worden sein, wo sie als Kometen erscheinen.***) Eine Möglichkeit, diese beiden Sagen auf eine Naturerscheinung zurückzuführen, sehe ich nur in Folgendem. Bekanntlich befindet sich im Orion ein sehr ausgedehnter Nebelfleck, von dem allerdings jetzt kein Theil dem unbewaffneten Auge sichtbar ist. Neuere Beobachtungen haben cs jedoch außer Zweifel gesetzt, daß die Nebelflecken keine unveränderlichen Objekte sind, manche haben an Helligkeit zu- *) Fast. 4, 170. **) Vergiliarum exortu aestas incipit, occasu hieras (Piin. H. 18, 69). Ebenso sagt Jvgin (Ast. P. 1. II) Isigno exoriente aestas significatur, occidente autem hyems ostenditur. ***) K. O. Müller a. a. O. p. 27!