Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 4
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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264 II. Die Sternbilder im Hiob. Die verschiedenen Deutungen, die man dem Worte מזרות gegeben hat, tragen so ziemlich alle den Stempel der Unmöglichkeit an der Stirn, so daß ich es nicht für angemessen halte, hier Alles nochmals zu wiederholen, was man schon dagegen vorgebracht hat. Obgleich mir nun unter allen diesen Erklärungen keine so unhaltbar zu sein scheint, als diejenige, welche מזרות auf מר Krone zurückführt, so daß dieses Wort die beiden Kronen am Himmel, nämlich die nördliche und die südliche bedeuten sott, so muß ich doch etwas genauer in die Widerlegung dieser Erklärung eingchen, da sie gegenwärtig eine sehr beliebte zu sein scheint. Ob der Dichter des Hiob schon eine nördliche Krone gekannt hat, möchte mindestens sehr zweifelhaft sein, von einer südlichen Krone hat er aber gewiß Nichts gewußt, denn selbst Aratus und Eratosthenes kennen sie noch nicht, vielmehr erscheint sie erst bei Späteren, wie Ptolemäus und Geminus?) Damit ist eigentlich schon genug gesagt. Aber gesetzt, der Dichter habe wirklich die nördliche und südliche Krone gekannt, was konnte ihn veranlassen, diese weit auseinander liegenden Gestirne zusammcnzufassen, weil sie zufällig beide Kronen heißen, und die Frage aufzuwerfen: ״Führst Du die beiden Kronen heraus בעתו in seiner Zeit?" Und was soll überhaupt diese Frage? Was sollte den Dichter veranlassen, gerade diese Gestirne hervorzuhebcn? Etwa ihre Helligkeit? Die südliche Krone besteht nur aus ganz kleinen Sternen und auch die nördliche enthält nur einen Stern zweiter Größe. Oder ihr Zusammenhang mit den Jahreszeiten? Ein solcher cxistirt überhaupt nicht. Hält man sich einfach an die Worte ״führst Du מזרות zu seiner Zeit heraus" so kann man nicht umhin, anzunehmen, daß hier von einem Sternbilde die Rede ist, dessen Aufgang in irgend einer Weise von Wichtigkeit ist. Zugleich deutet die pluralische Form מזרות neben dem hinzugefügten Singular בעתו darauf hin, daß hier von einer Vielheit die Rede ist, die man sich zugleich als Einheit denkt. Alles dies paßt vortrefflich, sobald man annimmt, daß מזרות die Hyadcn bedeutet. Ich stelle mir hier die Aufgabe, diese Ansicht, die von den bisherigen Erklärungen durchaus abweicht, ausführlich zu begründen. Die Hyaden sind, wie ihr Name sagt, die *) Jdeler a. a. O. p. 183.