Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 4
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 261 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Die Sternbilder im Hiob. 261 die Töchter der Bahre heißt. Die Araber denken sich nämlich die vier Sterne im Viereck als eine Todtenbahre nasch, welche von drei Klageweibern begleitet wird?) Das Wort benät ist also hier nicht im eigentlichen Sinne zu nehmen, sondern bedeutet, nach arabischem Sprachgebrauche solche, die zur Bahre geboren. Dies möchte schon nicht wohl zu der Stelle im Hiob passen; man nn'ißte jeden-- falls als Bahre fassen, wozu nicht die geringste Berechtigung vorliegt. Es kommt noch hinzu, daß diese Vorstellung erst bei arabischen Schriftstellern auftritt, welche einer verhältnißmäßig späten Zeit angehören; den Griechen ist sie völlig unbekannt, und es ist daher sehr zu bezweifeln, daß sie schon zur Zeit der Abfassung des Buches Hiob im Orient gangbar war, noch dazu eines Stückes welches unzweifelhaft zu den ältesten Bestandtheilen des Gedichtes gehört. Es ist ferner nicht einzusehen, aus welchem Grunde der Dichter hier den großen Bären erwähnt haben sollte, da dieses Sternbild mit keiner meteorologischen Erscheinung in irgend einer Beziehung steht. Man hat zwar umgekehrt geschlossen, müsse den großen Bären bedeuten, weil es kaum anzunehmen sei, daß der Dichter hier, wo er Sterne aufzählt, gerade das augenfälligste Gestirn der nordlichen Halbkugel, welches niemals untcrgeht, gar nicht erwähnt habe.") Nach dem, was ich schon im Eingänge bemerkt habe, beruht aber dieser Schluß auf einer irrigen Vorstellung. Nicht die immer sichtbaren, wenn auch Hellen, Sterne haben zuerst die sagenbildende dichterische Phantasie beschäftigt, darum kennt sie der alte Mythenkreis der Griechen nicht, sondern nur die seltener und während kurzer Zeit sichtbaren, nur die, welche mit dem Wechsel der Jahreszeiten und dadurch mit den einfachsten menschlichen Bedürfnissen in Beziehung gebracht werden konnten, wenn sie auch, wie die Plejaden, nur aus kleinen und lichtschwachen Sternen bestehen, wie schon Aratus bemcrlt.*) **) ***) Der Dichter des Hiob zählt hier die Sterne nicht wegen ihrer Helligkeit auf, sonst müßte er noch viele nennen, sondern wegen ihrer Beziehung zu den wechselnden meteorologischen Erscheinungen des Jahres. *) Jdeler, ebend. p. 19 u. 419. **) Geseniuö thes. ling. hebr. unter dem Worte עש. ***) Ai [iev oftcog ollyai %al acpsyy&g Arat. Phaenom. 264.