Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 4
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Die Sternbilder im Hiob. 259 Helligkeit oder ihre Gruppirung auffälligen südlichen Gestirne konnte man, eben weil sie nur während eines Theilcs des Jahres sichtbar sind, das Eintreten gewisser ökonomischer und meteorologischer Verhältnisse, wie der Zeit der größten Hitze, des Regens, der Ernte u. s. w. knüpfen, welche, allein und ausschließlich den einfachen Bedürfnissen der Hirten und Ackerbauer entsprechend, von Wichtigkeit waren. Die nördlicheren Gestirne dagegen, welche während des ganzen Jahres, oder wenigstens während des größten Theiles desselben jede Nacht sichtbar sind, konnten keine solche Merkzeichen darbieten, sie blieben von Hirt und Ackerbauer, und so auch von der Poesie unbeachtet. Erst in einer später» Zeit, als man sich auf das Meer hinaus wagte, gewannen die hellsten dem Nordpol benachbarten Sterne, wie der Bär und Bärenführer, eine besondere Bedeutung als Leitstcrne. Hieraus erklärt sich, warum bei den ältesten griechischen Dichlern, bei Horner und Hesiod, neben den oben genannten vier Sterngruppen, auch und nur noch diese beiden, der (große) Bär oder Wagen urrd der Bootes — bei Hesiod der hellste Stern im Bootes, der Arktur — Vorkommen, ohne daß sich Mythen an dieselben anschließen. Auch im Hiob kommen an der erwähnten Stelle vier Sterne oder Sterngruppen vor und zwar mitten in einer Erörterung, welche sich ganz und gar auf meteorologische Verhältnisse bezieht. Es ist früher von Schnee und Hagel (V. 22), von Licht und Ostwind (V. 24), von Regen und Thau (V. 25—28), von Eis und Reif (V. 29 — 30) die Rede. Es folgen dann die drei Verse (31—33), welche sich auf die Sterne beziehen, und hierauf ist wieder von meteorologischen Erscheinungen, von Wolken und Wasserströmen, vom Blitz und den Schläuchen des Himmels die Rede (V. 34 - 38). Schon diese Stellung, zeigt, daß hier von solchen Sternen die Rede ist, welche man sich in einem gewissen Zusammenhänge mit den meteorologischen Erscheinungen gedacht hat, und noch deutlicher geht dies aus V. 33 hervor, wo von den Gesetzen des Himmels und deren Herrschaft auf der Erde die Rede ist. Die Vermuthung, daß die vier hier genannten Sterne keine anderen seien, als jene vier: Sirius, Orion, Hyaden und Plejaden, welche auch in den Sternmythen der Griechen auftreten, liegt daher ziemlich nahe, so wie jedenfalls der׳ Inhalt der zwei Verse 31, 32 deutlich zeigt, daß sich bereits an die dort ermähnten Sterne gewisse bildliche Vorstellungen geknüpft hatten. In der That kommen auch