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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 4 · p. Seite 256

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
4
Date
1864-01-01
Page
Seite 256 (sequence 6)
Language
German
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I. Was thut Noch? 286 Einzelne ist gegen solches mittelalterliche Unrecht wehrlos, die Gesammtheit aber hat die Macht, dasselbe zu beseitigen. Wenn auch die gesetzlichen gemeinsamen Schritte schon oft fruchtlos gewesen und hier und dort noch länger fruchtlos sein dürsten: so würden doch wiederholte gemcmsame Erklärungen und deren Wiederhall durch die Presse , ein Stachel werden, der endlich das zähe Vorurtheil durchbohrt. Auch würde wohl die Uebereinkuuft, einen solchen Eid künftig nicht abzulegen und für die daraus erwachsenden Nachtheile insgesammt zu haften, sicher zum Ziele führen. Die ernste That der Manneswürde, welche gegen die Ueberreste einer barbarischen Gesetzgebung protestirt, würde die träge Zähigkeit, mit der dieselben festgehalten werden, besiegen, die Verlegenheiten, welche sich durch gehäufte Eidesverweigerungen ergeben, die Gerichtsbehörden und die gesetzgeberischen Gewalten zur Heilung alter Schäden nöthigen. — Wiederum durchzittert ein Klageruf von Jerusalem aus die Gemeinden. Wer wird dem Elende durch Hunger und Krankheit sein Ohr verschließen? Aber wie wird abgeholfen? Wer sind die Männer, welche die Abhülfe vermitteln? Was sind ihre leitenden Grundsätze, was ihre Ziele? Diese Jerusalem-Frage ist eben nicht blos eine augenblickliche, sie ist eine offene Wunde, Noth und Jammer haben sich dort permanent erklärt, und die ernste Frage bedarf einer ernsten Erwägung und einer männlichen Antwort. Ist Abhülfe auf dem bisherigen Wege möglich oder ist ein jeder Versuch dazu eher eine neue Nahrung des Elends? Ich will nicht entscheiden, aber wir müssen aus der Unklarheit heraus; die Frage muß beantwortet, nicht zurückgeschoben, nicht mit Sentimentalitäten überkleidet werden. Nicht minder drängen tiefer in die religiösen Anschauungen eingreifende Fragen zur Entscheidung, sie kann nur von der Gesammtheit, vom Volke getroffen werden, wenn auch die Sachkenner, Nabbiner und andere Gelehrte, ihre gutachtliche Meinung darüber abzugeben haben. Die Festigkeit des ehelichen Bandes ist die Grundlage des Familienlebens, die Familie die wahre Pflanzstätte der Religion, sie war es vorzugsweise im Judcnthume, und wird es hoffentlich bleiben. Aber die Formen dieser Befestigung erstarren und wenn sie ehedem die treuen Hüter des reinen Hauses waren, gestalten sie sich in ihrer Erstarrung leicht zu Tyrannen um, die das Glück namentlich des schwächeren Theiles morden. Die Formen der Ehescheidung und der Chalizah (der Dispensation von der Schwagerehe) sind zu solchen Tyrannen geworden. Ich will nicht von den lästigen und

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