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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 4 · p. Seite 255

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
4
Date
1864-01-01
Page
Seite 255 (sequence 5)
Language
German
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I. Was thut Noth? 255 Man übertreibe nur nicht die Schwierigkeiten; dem ernsten Bemühen gelingt es, sie zu überwinden. Die Theilnahme für ein solches Unternehmen ist allgemein verbreitet, und eben so die Bereitwilligkeit, daran sich mit seinen Mitteln zu betheiligen. Das Zweite besteht in größeren V e r sa m m l unge n zur Besprechung jüdischer Fragen. Nur aus ihnen erwächst ebenso ein neu belebtes Interesse wie gegenseitige Aufklärung und Belehrung. Hierin liegt der Schwerpunkt des Ganzen. In solchen Versammlungen bilden sich die überall vorliegenden und jeden Augenblick neu hervortretenden praktischen Fragen von selbst; sie können nicht von vornherein vorgeschrieben werden. Ich halte es für ein Mißverständniß, wenn man hier immer auf die Angabe eines praktischen greifbaren Zweckes dringt, während das Praktische gerade in dem Mittel liegt, eine größere Scbgar zu sammeln, die für eine jede Anregung empfänglich ist, und einer jeden Belebung und Verbesserung im größeren und engeren Kreise ihre Kräfte zu leihen bereit ist. Nicht fertige Resultate sott man entgegenbringen, nicht bestimmte einzelne Zielpunkte aufstetlen, sondern gerade dem allgemeinen Ziele einer richtigeren Erkenntniß des Judenthums und einer Verschmelzung der religiösen Idee mit dem Leben die Mittel darbieten, wodurch in jedem einzelnen Falle das angemessene Resultat erreicht werde. Jeder kurze Zeitabschnitt bringt seine Frage, die bald einen engeren bald einen weiteren Kreis bewegt, und die nicht zur geeigneten Lösung kommt, weil die allgemeine Betheiligung, der Nachdruck der Gesammtthätigkeit fehlt. Greifen wir nur Einzelnes als erläuterndes Beispiel heraus! Vor einiger Zeit beschäftigte die Mortara- und Cotzn-Angelegenheit die Gemüther. Was haben die Juden Deutschlands dafür gethan? Sehr wenig! Und dennoch hätten sie es wohl vermocht. Konnten sie auch dein katholischen Non possumus kein t hat sächlich es Possumus entgegenstetten, so stand es doch in ihrer Macht, durch Versammlungen ihre Entrüstung auszudrücken und die öffentliche Meinung noch entschiedener gegen solche Gewallthat aufzuregen. Wer stillschweigend etwas der Art erträgt, wird auch ferner mit Fußtritten behandelt; der männliche Widerstand erweckt, wenn er auch augenblicklich machtlos sein sollte, Achtung und bietet damit für die Folge auch sichere Abwehr. — Noch ruht die Schmach der jüdischen Eidesformeln, die von Vorsichtsmaßregeln, d. h. von kränkendem Mißtrauen gegen Juden und Judenthum strotzen, in vielen Staaten auf den Juden. Der

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