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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 4 · p. Seite 254

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
4
Date
1864-01-01
Page
Seite 254 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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25-4 I. Was thul Noth? wissenschaftliche. Es ist die geistige Kraft zu erkennen, welche als Judenthum nun drei Jahrtausende in der Menschheit und an ihr ge-- arbeitet, als ein mächtiger Factor bei ihrer Entwickelung mitgewirkt, in den vielseitigsten Erzeugnissen, in einer reichen Geschichte ihre Früchte uns hinterlassen hat. Diese tiefliegende, in alle Lcbensver- Haltnisse sich verschlingende wirksame Geistesmacht bedarf sorgsamer Ergründung. Die Wissenschaft verlangt stille Pflege, ungctheilte Hingebung, lange Vorbereitung. Dem Jndenthume fehlen jedoch bis jetzt noch sehr die Anstalten, welche eine solche tiefere Erkenntniß fördern. Es ist die Aufgabe unserer Zeit, wissenschaftliche Anstalten zu gründen, an denen die Meister das Judenthum nach allen Richtungen hin wissenschaftlich pflegen und neue Jünger heranbilden. — Die andere Aufgabe ist, die Gesammthcit zur Klarheit zu erziehen, den wissenschaftlichen Erwerb zugänglich zu machen, auf das Leben zu übertragen. Das ist allerdings Aufgabe der Presse, und ste leistet viel in dieser Beziehung. Allein die Kreise welche belehrt, angeregt werden sollen, entziehen sich ihr in unfern Tagen, und die Anregung allein genügt nicht, wenn nicht selbstthätige Belhciligung möglich ist. Es müssen Veranstaltungen getroffen werden, welche unmittelbarer an die Personen dringen, es muß jedem Einzelnen das Interesse nahe gebracht und jedem, der es besitzt, die Gelegenheit geboten werden, seinen Ansichten und Anforderungen Ausdruck zu geben, sie zur Geltung zu bringen; gemeinsame B e sp r e ch u n g e n, die häusiger wiederkehren, sind namentlich in unfern Tagen das Mittel, Gedanken eindringlich in das Publikum zu bringen, wie dieselben zu größerer Klarheit zu entfalten und sie der Verwirklichung entgegenzuführen. Also zwei Dinge thun Noth: erstens eine jüdisch-theologische Facultät und namentlich für das westliche Deutschland. Die Ausführung dieses Verlangens ist gar nicht so schwierig; wird nur erst der Anfang dazu gemacht, so wird sich durch die Theilnahme, welche sich ihm zuwcndet, die Befestigung und Vollendung bald herstellen. Man hat für's Erste nur dafür zu sorgen, daß an einem Universitätssitze, etwa Heidelberg, einige tüchtige Männer die Disciplinen lehren, welche der Wissenschaft des Judenthums Vorzugsweise angehören, und allmatig wird daraus eine Facultät sich bilden, deren Beziehung zur Universität bei dem liberalen Sinne der betreff senden Regierung unschwer geregelt würde. Mit jährlich einigen tausend Gulden läßt sich der Anfang machen; allmälig würden jährliche Beiträge und festes Capital das Institut ergänzen und feststelleu.

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