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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 4 · p. Seite 253

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
4
Date
1864-01-01
Page
Seite 253 (sequence 3)
Language
German
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I. Was thut NoLh? 253 etwa inwieweit der Gebrauch der Orgel beim Gottesdienste zulässig, eine Abkürzung der Zeit beim Gottesdienste möglich, die vom Messias handelnden Gebete beseitigt und umgewandelt werden können. Diese rein liturgischen Fragen erschöpfen nicht den Gehalt des religiösen Lebens, sind nicht der sichere Maßstab der Frömmigkeit und — sind schon aufs Vielfachste besprochen und längst entschieden. Und dennoch sind Viele nicht mit sich einig, wohin sie ihre Parteinahme wenden sollen. Und zwar nicht weil sie für sich selbst unschlüssig sind. Sie selbst haben sich wohl längst der Idiosynkrasie gegen die Orgel entschlagen, haben die Dauer der Gebetszeit für sich bedeutend verkürzt, haben mit dem Glauben an einen politischen Messias, und nur von solchem kann hier die Rede sein, — der ein jüdisches Reich in Palästina und den Opferdienst im Tempel zu Jerusalem wieder herstellt, längst gebrochen. Aber wie das Judenthum, zu dem sie sich bekennen und das ihnen dennoch als ein ganz außerhalb ihrer Befindliches erscheint, zu diesen Fragen sich stellt, ist ihnen ganz unklar. Das ist blos ein einzelnes Beispiel, das sich, nur etwa nicht so scharf hervortretend, in unfern Tagen überall wiederholt. Die Meisten leben in einer Religion, die nicht in ihnen lebt, und sind dennoch nicht bemüht, diesen Zwiespalt zu lösen. So lange der Druck noch an die Fersen des Judenthums sich heftete, fühlte man sich, wenn auch mit lästigen Banden, an dasselbe geknüpft und eine Verschmelzung des Individuums mit dem Juden wurde angestrebt. Seitdem der Druck geschwunden, hat man fast ganz aufgehört, sich als Juden zu fühlen, entäußert sich des Gesammtbewußtseins immer mehr, so daß dieses auch seinerseits vertrocknet. Dennoch besitzt eine dreitausendjährige historische Gestaltung eine Macht, welche nicht ignorirt werden kann; sie wird von einer geistigen Kraft getragen, die unter allem Schutte sich mächtig erweist, und so fühlt man sich losgelöst und angezogen in einem klaffenden Zwiespalte. Die einzige Lösung besteht nun darin, daß das Judenthum einerseits seinem tieferen Wesen, seinen schaffenden Ideen, seinen geschichtlichen Bildungen nach erkannt, andererseits aber geschichtlich im Einklänge mit der Gesammtentwick'elung der Menschheit fcrtgeleitet und in seinen Institutionen dargcstellt werde. Aber mit welchen Mitteln soll das geschehen? Die jüdische Presse hat gewirkt und wirkt an dieser Aufgabe nach ihrem Theile redlich mit. Doch kann sie allein die Aufgabe nach ihren doppelten Anforderungen nicht erfüllen. Betrachten wir die beiden Anforderungen gesondert! Die eine ist ein 18*

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