Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 2 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Briefen. 153 von den in das erste Exil Auswandernden entwirft, ist offenbar etwas mit starken Farben gezeichnet, und ebenso umgekehrt die Umgestaltung, in der sie zurückgekommen. Das Deuteronomium war sicher in der Hand der Judäer vor dem Exile, und wo ein Mann wie Jeremia lebt, ist die Zeit nicht so verwaist. Das Unglück wirkte allerdings läuternd, aber-mehr noch die Jahrhunderte zwischen der Rückkehr und den Makkabäern, von denen uns so wenig bestimmte Zeugnisse vorliegen und die dennoch eine so mächtige stille Ein- Wirkung übten. Ob Esra selbst, an den man als den einzigen bekannten Namen Alles knüpft, so Vieles geleistet hat, steht keines- Wegs so fest. — Daß später alles ״Große und Entscheidende" mittelbar und unmittelbar von Babylonien ausgegangen, ist eine kühne, durch die Geschichte _ nicht gerechtfertigte Behauptung. Hillel war ein Babylonier, und ich will nicht in Abrede stellen, daß dieser sein Ursprung ihm einen freieren Blick, ein selbstständigeres Streben bewahrt hat, aber auch er lernte erst in Palästina, ehe er dort lehrte. Sonst bezeichnet uns die Mischnah, die keine Veranlassung hatte, die Babylonier herabzusetzen — war ja, wie D. selbst bemerkt, der Redaeteur der Mischnah eine Nachkomme Hillens des Babyloniers und umgaben ihn ja sehr geachtete Schüler von dort! —, die Babylonier, wie gesagt, als roh. Joma 6, 4 heißt es in Betreff des Sündenbockes am Versöhnungstage und seines Führers nach der Wüste zum Asasel: Dian machte ihm einen Steg (der ihn vom Publicum absonderte) wegen der Babylonier, die ihn am Haare rissen und ihm zuriefen: trage (die Sünden weg) und gehe (mache daß du schnell fortkommst)" וכבש עשו לו בלפני הבבליים שזעיר בלתלשין בשערו ואובלרים לר טול וצא טול וצא. Von dem andern Bocke, der als Sündopfer am Versöhnungstage dargebracht wurde, wurden bestimmte Theile auf dem Altäre verbrannt, der Ueberrest wie bei jedem Sündopfer von den Priestern verzehrt. Da an dem Versöhnungstage selbst die Priester nicht essen durften, so wurde es am Abende verzehrt, durste aber nicht länger aufbewahrt werden , da das Fleisch des Sündopfers nur an demselben Tage und der darauf folgenden Nacht tauglich war. Wenn aber — wie Dies vor der späteren Feststellung des Kalenders möglich war — der Versöhnungstag auf einen Freitag traf, so daß der folgende Abend dem Sabbath angehörte, da trat die Schwierigkeit ein, daß man das vom vorigen Tage sich herschreibende Opfer nicht durch Kochen zubereiten durste.