Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 2 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Aus Briefen. Für das Tagesopfer konnte freilich auch am Sabbathe Alles geschehen, allein nicht so für ein bereits am vorangegangenen Tage vollzogenes Opfer; das Kochen desselben wäre eine Verletzung des Sabbathverbotes gewesen. Bis nach dem Sabbathe aber konnte man nicht warten, da das Fleisch nur noch die Nacht nach der Darbringung genossen werden durfte. Da halfen die Babylvnier aus; sie verzehrten das Fleisch roh, weil sie nicht ekel waren. So berichtet die Mischnah Menachoth 11, 7: חל יום הכפולים...לחיות עלב עגבת ,שערל עגל יום הכפולים נאכל לערב הבבליים אוכלין אותו כשהוא חי ,כלפני הודעתן יפה(*. Daß die Babylonier als von solch rohen Sitten geschildert werden, scheint eben den Babylonier Chija b. Joseph, den Verfasser der Toßeftha, gehindert zu haben, und er ist es, der willkürlich in Joma 6. 3 die, Babylonier in Alexandriner umwandelt, bei denen wir jedoch weit mehr griechische Bildung und feinere Lebensart voraussetzen dürfen. Im Namen des Chija berichtet diese Correctur auch die jerus. Gern. z. St. Die babylonische Gemara nun (66 a) erweitert diese Correctur im Interesse ihrer Landsleute zu einer Discussion in einer Baraitha, überträgt sie auch auf die Stelle in Menachoth (100 a), wo die Toß. Nichts darüber bemerkt; sie ist es, die bald Juda diese Correctur vornehmen und Joße darüber seine Befriedigung ausdrücken läßt, bald umgekehrt. Sonst ist eine Spur von der baby- Ionischen Abstammung dieser beiden Mischnahlehrer nicht vorhanden, und diese eine Andeutung ist ihrer ganzen Genesis nach ziemlich verdächtig.**) — Was endlich die Bathira - Söhne betrifft, so hat die Vermuthung keine weitere Stütze. Abgesehen von diesem Punkte ist jedoch die ganze Auffassung so tief aus dem Einblicke in das innere Leben geschöpft, zeichnet die Darstellung in knappen Umrissen Zeiten und Personen so scharf, daß sie der weiteren Kenntnißnahme nicht entzogen werden durfte.) *) Vgl. M. Abodah sarah 2, 5: :כהן שדעתו יפה שורפו חיד, ein Priester, der nicht ekel ist, darf ihn (den Magen aus einem zum Ganzopfer dargebrachten Thiere) roh verschlingen. Ueber das hier gebrauchte *שק vgl. Zeitschr. der D.-M.-G. Bd. XVIII. S. 650. **) vgl. Zeitschr. der D. -M.-G. Bd. XII S. 362.