Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 2 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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152 Aus Briefen. seiner Jugend ein enfant prodige gewesen ist, so bestätigt er das alte Sprüchwort von den klugen Kindern. Woran mir dabei gelegen ist, das ist, daß sein Stillschweigen durchaus Nichts beweist, und daß ich immer mehr überzeugt werde, daß es zwischen Esra und dem Anfänge des 2. Jahrhunderts vor Chr. eine Reihe von Leuten gegeben habe, die mit Recht den Namen;אנשי ככהת ד^גדולד führten und die mit Entschiedenheit in alle religiösen und eeremoniellen Handlungen eingriffen, um sie zu fixiren, die unter sich zuweilen verschiedener Ansicht gewesen sein mögen, die aber dem Publicum nur die Resultate als wahre Decrete gegenüberstellten. Was der Thalmud von dem Beginne der Zwistigkeiten mit den Schulen Schammai's und Hillel's erzählt, scheint mir auf Wahrheit zu beruhen; die Schulen waren früher eine Art aristokratischer Sorbonne, in denen die Lehren und Sätze in feste Artikel redigirt wurden: mit Schammai und Hillel beginnt die Demokratie, die Meinungen sind nicht mehr durch ein Paar bedeutender Personen, sondern durch Massen vertreten, — das sind wahre Clubs, in denen man sich freilich den Kopf nicht gerade für die Menschenrechte erhitzt, aber sie haben nicht minder ihre Piken und Lanzen, wenn die Alten auf dem Söller des Gorioniden — ich hätte fast gesagt: im alten Jakobinerkloster — tagen. Manche Mischnah's und besonders die Baraitha's lassen uns einen Blick in die eompte rendus dieser Sitzungen werfen, aus denen uns die Mischnah fast immer nur die trockenen Resultate mittheilt. Hätte man Maimonides oder auch nur dem R. Isaak aus Fez dieselbe Autorität zugestanden wie dem stolzen Patrieier von Sepphoris, es wäre uns mit der Gemara gerade so ergangen wie mit den Sammlungen, welche ״der Heilige" benutzte. Ist es doch der babylonischen Gemara geglückt, uns den Verlust eines Theiles des Jeruschalmi herbeizuführen, und der Verlust der ״Ordnung Kodaschim" scheint mir ein sehr herber. fDiese geistreiche Causerie meines gelehrten und scharfsinnigen Freundes ist in ihrer unmittelbaren Frische so anregend, daß ich sie dem Leser nicht vorenthalten mochte. Ueber den Einfluß der Babylonier bin ich freilich anderer Meinung, und habe ich mich darüber oben in der Beurtheilung des Chaluz (S. 72 f.) ausgesprochen. Die dortigen Juden waren Wohl naturfrisch, aber im Allgemeinen sicher roh, ohne Gelehrsamkeit, welche die Strebsamen sich erst in Palästina aneigneten. ׳Die Schilderung, welche D.