Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 2 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Briefen. 151 mich seit vielen Wochen. Als die Juden dahin geschleppt wurden, waren sie entartet, ohne Gesetz und Sitte, ohne Glauben und ohne Idee; nach kurzer Zeit kommen sie umgestaltet daher zurück, und seitdem kommt alles Große und Entscheidende direct oder indirect aus derselben Gegend, aus welcher Jahrtausende früher Abra- Ham über den Euphrat ging. Esra bringt einen Theil der Bibel ׳daher, Hillel ist ein Babylonier, R. Chija und Rab sind Babylonier, R. Jose und R. Jehuda sind, der eine oder der andere, vielleicht beide Babylonier (siehe Menachoth 100 a verglichen mit Joma 66d לא בבליים היו אלא אלכסכדדים); das waren zwei seltene Männer, denn sie hatten wenigstens historischen Sinn. Die Familie ben Bathira, die sich so leicht von Hillel verdrängen ließ, war vielleicht selbst eine babylonische; denn was ein Josua b. Bathira (Menachoth 103 d) von einer Jagd wilder Esel für Löwen erzählt: והיו כודולין ערודיאות לאדיות באיסטדיא עגל בללך וכו' (wo איםטלטיא=באיסטליא offenbar nicht Krieg, Iondern Jagd ist), ist ein Vergnügen persischer Könige, wie im Schah- Nameh oft zu lesen ist, und bezieht sich keineswegs auf Palästina.— Und doch was wissen wir von den babylonischen Schulen jener Zeit, aus denen diese Männer hervorgegangen sind? Welche Namen nennt der Thalmud mit der Bezeichnung als Babylonier? Ein Jaddua Ha-Babli kommt einmal vor! Von Andern können wir es errathen, wie Wirz. B. vonJoße und Juda oben sahen, und wie wir es auch von Andern schließen wie Elasar bar Zadok, der selbst wie sein Vater der aus Babylonien stammenden Patriarchenfamilie um so ergebener war, als er selbst dorther stammte (Moöd katon 20a, Semachoth 6.12, vgl. jedoch Nasir 44a)! Man möchte fast diesen Babyloniern die Rolle geben, welche in späterer Zeit die Perser den Arabern gegenüber spielen: Geschichte, Philosophie, Arzneikünde sind hauptsächlich durch jene am Hofe der Khalifen vertreten, nur die Sprache ist arabisch, der Geist kommt ihnen nicht von diesen Wüstensöhnen. Das sind Fragen, auf die kein Josephus antwortet, weil dieser Dünkelhafte, der in seinem 14. Jahre von Gelehrten und Schriftkennern um seine Meinung befragt wurde (!), sich wenig um die geistige Entwickelung seines Volkes kümmerte, viel lieber seine Correspondenz mit dem König Agrippa auskramte als ein Wort von den Patriarchen, von Jochanan ben Sakkai und andern bedeutenden Männern zu erzählen. Wenn der Mann wirklich in