Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 2 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau. 149 siebenten Kapitels erklären, woher es kommt, daß die großen Erschütterungen im ersten Viertel des sechszehnten Jahrhunderts die Juden so wenig innerlich berührt haben. ״Das kam daher — sagt er —, daß sie bis dahin kein eigentliches Mittelalter hatten, darum brauchte für sie auch keine neue Zeit anzubrechen". Was dann später gesagt wird, hebt geradezu diesen Ausspruch auf. Denn wenn auch kirchlicher Uebermuth mit seiner sittlichen Verderbniß in dem gedrückten Judenthum nicht Platz greifen konnte, so wird doch die geistige und selbst sittliche Versunkenheit und Versumpfung zugestanden. Was erklärt also der Satz, wenn er seinem wesentlichen Inhalte nach alsbald wieder zurückgenommen wird? In Wahrheit haben die Erschütterungen keinen Einfluß auf das Judenthum geübt, weil sie sehr bald aufhörten, einer mächtigen Culturentwickelung zu dienen und zum dogmatischen Gezänke herabsanken. Jedoch ich komme tiefer in den Tadel, als ich beabsichtigt habe; ich wollte Ihnen blos klar machen, warum ich ein Werk, das doch immerhin verdienstlich ist, zu beurtheilen Anstand nehme, weil ich, sobald ich darin eingehen würde, mehr Schwächen aufdecken müßte als ich möchte. Bedenken Sie nun noch folgenden Umstand! Erwählt Hr. Gr. in der alten Geschichte beliebig seine Begnadigten und jeine Verdammten: wie kann es anders sein, als daß er gegen die zeitgenössischen Mitarbeiter auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte nach Gunst und Ungunst verfährt? Statt von Zunz bescheiden zu lernen, poltert er gegen ihn auf unwürdige Weise; statt Steinschneider für seine fleißigen Arbeiten dankbar zu sein, verschweigt er regelmäßig seinen Namen, wenn er auch seine Schriften als Quelle anführen muß. Ist das nicht kindisch? Und dieses ewige Lärmschlagen mit den eigenen neuen Entdeckungen, die zum Theile entweder schon längst entdeckt sind oder die bei näherer Besichtigung bloße Phantasmagorieen sind! ״Alle Bibliographen, Biographen, Piutgelehrten u. s. w. haben bisher übersehen", von solch lächerlicher Ueberhebung ist kein Band frei. Da lesen Sie nur im neuesten Bd. S. 7 Anm. 2.: ״Den Biographen des Leon Medigo (d. h. Abarbanel) ist ein wichtiger Punkt entgangen", nämlich daß er mit Pico de Mirandola bekannt gewesen, für ihn eine verloren gegangene lateinische Schrift ausgearbeitet, eine Nachricht, die wir Amatus Lusitanus verdanken. Nun ist es richtig, daß Carmoly und Delitzsch, welche Hr. Gr. hier nennt, Nichts davon wissen. Aber in demselben Bande des Ozar nechmad, auf welchen Hr. Gr. verweist —