Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 2 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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148 Umschau. Weiß wahrlich nicht warum. Und in dem neuen Bande! Da wird (S. 15. 312) Jakob Berab ״querköpfig", Abraham Portaleone, ein Mann, der doch jedenfalls sich mit Erforschung der hebräischen Antiquitäten befaßte, ״ein halbnärrischer jüdischer Arzt und langwelliger Schriftsteller" genannt (S. 507), die Schrift Milsahagi's ״halb toll halb geisteslicht" (S. LXXIX), Urtheile, die ebenso unmotivirt wie in ihrer Ausdrucksweise burlesk find. Nicht minder ist Joseph Gikatilia, wenn auch Kabbalist, nicht seiner Bedeutung nach gewürdigt <S. 193 ff.) *). Elias Levita gelangt noch weniger zu seinem Rechte. Dabei werden ihm falsche Dinge aufgebürdet. So erscheint er z. B. (S. 199), als ״zum christlichen (!) Kabbalistenkreise gehörig", während er an 'vielen Stellen seines ״Thischbi" versichert, er verstehe Nichts von Kabbalah und befasse sich nicht mit ihr; darum konnte er immer christlichen Schülern in ihrem Studium derselben durch Ermöglichung des Wortverständnisses beigestanden haben. So wüßte ich nicht die geringste Begründung für die Stelle S. 225: ״Man kann sich denken, welchen Sturm diese Meinung (von der Neuheit der Punctationszeichen) gegen ihn erhoben hat. Sie warf mit einem Schlage die festgewurzelte Ansicht um. Die Stockfrommen erhoben ein Zetergeschrei gegen ihn, als hätte er mit seiner Behauptung das ganze Judenthum geleugnet". Haben Sie irgendwo diesen Sturm brausen, dieses Zetergeschrei sich erheben gehört? Die damaligen Juden ahnten die Tragweite dieser Entdeckung gar nicht, wie Levita selbst sie nicht nach ihrer tiefgreifenden Bedeutung erkannte. Vielleicht hat nur der weitblickende Asariah de Nossi eine Ahnung davon gehabt und sich verwahren zu müssen geglaubt. So befinden wir uns bei Berichten und Urtheilen immer auf unsicherem Boden. Was sollen wir uns dabei denken, wenn wir (S. 144) lesen, die lateinische Bibelübersetzung Vulgata ״rühre von Stümpern her", während wir doch wissen, daß sie auf der Grundlage der Jtala, d. h. der lateinisch übertragenen jüdischalexandrinischen Uebersetzung angefertigt, dann durch Hieronymus nach Anleitung der jüdischen Uebersetzer Aquila, Theodotion und Symmachus wie jüdischer Lehrer berichtigt worden und seitdem wenig Veränderung erfahren hat? Hr. Gr. will uns am Anfänge des *) Daß die Identität von Gikatilia und dem durch Schreibfehler entstandenen Karnitol erst durch Zunz festgestellt worden, erfährt man nicht; als selbstverständlich wird es befremdlich gefunden, daß sie Rauchlin entgangen ist, gerade wie es Hr. Gr. mit meinen Studien über Isaak Lroki macht.