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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 2 (1866) · p. Seite 146

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
2 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 146 (sequence 66)
Language
German
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146 Umschau. verspürt man die frische Lust und den strebsamen Geist des Schriftstellers, es treten uns doch Menschen entgegen mit Strebungen und Leidenschaften, innerhalb der Geschichte mitthätig, sie bewegend und von ihr getrieben, eingreifend und nicht ohne nachhaltigen Einfluß, freilich öfter noch leidend und von rohen Gewalten niedergedrückt. Das finde ich auch im neuesten, dem neunten Bande, in dem manche Partieen gerade aus diesem Gesichtspunkte mit besonderer Vorliebe behandelt sind. Jedoch sosehr ich den Fleiß und die frische Selbstständigkeit in Gr? Werk anerkenne, sosehr ich es auch würdige, daß ernste geschichtliche Studien dem Verf. gesundere Ansichten beigebracht haben: so muß ich doch zu meinem Bedauern bekennen, das Werk darf keineswegs den Anspruch erheben, ein Product achter Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung zu sein. Zu meinem Bedauern! Denn ich würde ein tüchtiges Geschichtswerk, trotz persönlichen Antipathien, mit wahrer Freude begrüßen. Das Buch enthält Geschichten, die lose verbunden sind, aber keine Geschichte. Man gewahrt keine Entwickelung, keine innere treibende Kraft. Ich will keinen künstlich gemachten Pragmatismus, aber ebensowenig ein ideenloses Treiben; aus der Triefe einer in bestimmten geistigen Richtungen lebenden Gesammtheit müssen doch immer die Be- Wegungen hervorgehen, nach einem innern Gesetze die Erscheinungen hervortreten, einem Ziele entgegenarbeiten. Nun hat aber Gr? Geschichte keinen Anfang; wie sollte sie eine Grundlage haben, auf der sie ruhen könnte? Es ist ein seltsamer Gedanke, eine Geschichte mit dem vierten Bande zu beginnen, darauf den dritten, dann den fünften und so fort folgen zu lassen und die zwei ersten sich vorzubehalten. Und in den Partieen der Geschichte, welche hier behandelt sind, was erfahren wir deyn über Charakter des Thalmuds, der Mischnah, der Baraithen, der Gemaren? Thannaim-und Amoraim-Geschlechter treten vor uns auf mit einer Masse von Namen, die uns im Grunde ganz gleichgültig sind. Einigen Männern werden charakteristische Eigenthümlichkeiten beigelegt, die theilweise richtig erkannt, zum Theile auch ihnen angedichtet sind; aber die religiöse Gesammtanschauung, der gesetzlichreligiöse Charakter, der sich immer schärfer ausprägt, die Entwickelung, die zwar von der Zeit beeinflußt wird, aber auch sich immer mehr staut, sie wird kaum berührt, und so bleibt uns die ganze Geschichte der spätern Zeit unverständlich. Dem Kenner müssen

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