Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 2 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Umschau. 145 ich zaghaft sein müßte, mich Ihnen gegenüber offen aussprechen zu dürfen. So bleiben Sie mir denn nahe in doppeltem Sinne! M. R. Antwort. F. a. W., 7. War. Die Schelmereien, l. Fr., mit denen Sie Ihren jüngsten Brief angefüllt haben, weiß ich nicht anders zu bestrafen, als indem ich Sie öffentlich an den Pranger stelle; Ihr Brief wird gedruckt, ob Sie wollen oder nicht. Freilich ist es eine schlimme Sache, daß ich ihn nicht ohne meine Antwort in's Publicum gehen lassen kann, und da werde ich an Ihren geflügelten Gang meine schwerfälligen Schritte heften müssen. Ich weiß es, daß ich sehr dabei zu kurz kommen werde; Sie liest man und fühlt sich angenehm angeregt, mich liest man — nicht, weil man bald müde wird. Sie haben's gut; Sie nippen und lassen nippen, während wir mühsam destilliren und auch unfern Gästen zumuthen, sie sollen mit uns arbeiten. Wenn Sie sie nur kennten, die Leiden eines Redacteurs! Ich will Sie in diese geheime Leidensgeschichte nicht einweihen und mich auf das Gebiet der Recensionen beschränken. Das ist nun im Allgemeinen nicht blos das undankbarste, sondern auch das nutzloseste Geschäft, und dennoch darf es eine Zeitschr. nicht daran fehlen lassen. Um einer Schrift von reichem Inhalte gerecht -zu werden, bedarf es oft einer Ausführlichkeit, die man sich nicht gestatten darf, und man wird entweder ungenügend oder schweigt aus Verdrossenheit. Was nun die Werke der Herren Weiß und Friedmann betrifft, so werden Sie sich überzeugen, daß ich sie nicht mit Schweigen übergehen Will, wenn ich sie auch nicht in der Form einer Recension bespreche?) ״Chotam Tochnit" und andere Schriften werden gleichfalls noch erledigt werden. Was aber das Buch von Grätz betrifft, so haben Sie nicht übel vermuthet, wenn auch die Einkleidung, welche Sie der Sache geben, mehr neckisch sein mag. Ich verkenne nicht, daß Gr. mit Fleiß und Liebe an seinem Werke arbeitet, daß er Studien zu seiner Arbeit macht, die als Bereicherung des Stoffes betrachtet werden müssen und die zur Aufhellung des Gegenstandes dienen. Auch an seiner Darstellung *) Vgl. oben S. 96 ff. Vierteljahresschrift IV. 2. 10